© Sammlung Generali Foundation - Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg © VBK, Foto: Werner Kaligofsky

VALIE EXPORT

Auf+Ab+An+Zu, 1968

Film, N-8mm, schwarz-weiß und Farbe, ohne Ton, übermalt, Zeichenpapier als Projektionsfläche, Zeichenutensilien 3 min Dimensionen variabel Projektionsfläche ca. 150 x 200 cm
Nach der Aufnahme die Montage, nach der Montage die Projektion, lautet die Regel. Jeder Verstoß gegen diese Regel, jede Verschiebung, Auslassung, Vertauschung, bringt die Produktionsgesellschaft um ihren konventionellen Erfolg. Film als perfektes Illusionstheater in klimatisierten und abgedunkelten Erlebnis-Boxen. Desertion der Produktionsschemata durch Sabotage ihrer Zeitstruktur bedeutet: Nicht mehr ”Welt” wird vorgetäuscht, sondern Machbarkeit von ”Welt” wird demonstriert. Bei Auf+Ab+An+Zu geschehen Montage und Projektion gleichzeitig. Die Montage erfolgt auf der Leinwand, nicht auf dem Zelluloid. Die Simultanität der Projektion und Montage zeigt: Film ist Zeichnen. Dieser Film ist ein Lehrfilm, eine Einübung in die Malerei, eine Absage an die Malerei, ist ein Echo der kubistischen Desertion der Malerei. Raum wird als Moment der Zeit begriffen. Nur ein Teil des projizierten Bildes ist sichtbar, der Rest, übertuscht am Zelluloid mit geometrischen Mustern, wird ergänzt. In einer kreisförmigen Bewegung wandert die übertuschte Zelluloidpartie über die Leinwand. Das jeweils wieder frei werdende Stück wird wieder ersetzt. Der Zuschauer, der an der Produktion des Filmes teilhaben muss, damit der Film erst realisiert werden kann, ergänzt mit dem Zeichenstift das, was auf dem Zelluloid überdeckt ist. Am Schluss bleiben im weißen Projektionsviereck die Striche und Zeichen der reproduzierten Reproduktion. (VALIE EXPORT)
GF0000237.00.0-1995
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