Aus der Serie "Anti Happening" (Tennis)
Julius Koller
Aus der Serie "Anti Happening" (Tennis), 1963-71
8 schwarz-weiß-Fotografien, Vintage Prints auf Barytpapier, einige Fotomontagen
WG0030512.00.0-2005
Werktext
Der leidenschaftliche Sportler Július Koller setzte ab den 1960er-Jahren Tennis und Tischtennis als Symbole demokratischer Kommunikation ein. Er verstand das private sportliche Spiel als eine kulturelle Situation, in der fundamentale Prinzipien zum Ausdruck kommen: Fairness als Grundhaltung; ein dialogischer Meinungsaustausch, der über den Schlagabtausch des Ballwechsels ausgetragen wird; das Zusammenspiel von Körper und Geist in der sportlichen Aktivität; die Vorbereitung des Spielfeldes als existentialistischen Akt. Im März 1970 verwandelte Koller die Galerie der Jugend in Bratislava in den J. K. Ping-Pong-Club. Der Klub verwischte die Grenzen zwischen Sport und Kunst und war ein Statement gegen die Unterdrückung des Demokratisierungsprozesses in der ČSSR, die in der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 gipfelte. Ab den 1970er-Jahren verwendete Koller obsessiv Symbole wie Pingpongschläger, das Fragezeichen und das variable Akronym „U. F. O.“ (u. a. „universell-kulturelle futurologische Operationen“), um Zeichen gegen die allgemeine Resignation in der Zeit der kommunistischen „Normalisierung“ (1972–1989) in der ČSSR zu setzen. (Jürgen Tabor)