The Ash and the Elm
Bethan Huws
The Ash and the Elm, 2022
Installation, das Werk kann im Innen- wie auch im Außenraum ausgestellt werden; Edelstahlplatte mit eingraviertem Text, Bäume, Töpfe, Bodenplatte (A+ Qualitäts-Metalplatte, die für den Außenraum geeignet ist), 60 x 100 cm, Edition 1/3 (+ 1 A.P.), Dimensionen variabel
GF0031907.00.0-2025
Werktext
Mit der Installation „The Ash and the Elm“ (Die Esche und die Ulme) befindet sich ein exemplarisches Werk der künstlerischen Praxis von Bethan Huws in der Sammlung Generali Foundation. Der Titel benennt zwei Bäume, die tief in der keltischen und europäischen Mythologie verwurzelt sind und die im Englischen und Walisischen verschiedene kulturelle Konnotationen tragen. Worte lassen sich nicht immer eins zu eins von einer Sprache in die andere übertragen. Diese Offenheit erzeugt Interpretationsspielräume, Missverständnisse und birgt poetisches Potenzial. Der Titel erzeugt ein Feld, in dem Bedeutung entsteht, ohne sich abschließend fixieren zu lassen. Genau dies ist auch das Terrain, das Wittgenstein beschreibt: „Bedeutung ist keine feste Größe, sondern ein Prozess.“ In seiner 1969 veröffentlichten Schrift „Über Gewißheit“ schreibt Wittgenstein in Punkt 649 wie folgt: „Ich sagte einmal jemandem – auf englisch –, die Form eines bestimmten Zweiges sei charakteristisch für den Zweig einer Ulme [elm], was der Andre bestritt. Wir kamen dann an Eschen vorbei, und ich sagte ‚Siehst du, hier sind die Zweige, von denen ich gesprochen habe.‘ Worauf er: ‘But that’s an ash’ – und ich: ‘I always meant ash when I said elm.’”1 Huws graviert dieses Textzitat auf eine Metallplatte und integriert sie als fixen Bestandteil ihrer Installation. Dabei wird Wittgensteins Einfluss nicht als direkte Illustration seiner philosophischen Thesen sichtbar gemacht, sondern dient als methodisches Fundament: „The Ash and the Elm“ zeichnet sich durch Einfachheit, Präzision und eine Fähigkeit zur Verdichtung aus. Die Installation hat keine eindeutige Bedeutung, sondern ist ein Beispiel für ein Kunstwerk, das Offenheit als ästhetisches Prinzip im Dialog mit Wittgenstein erforscht. (Doris Leutgeb) 1 Ludwig Wittgenstein: Über Gewißheit. Herausgegeben von G. E. M. Anscombe und G. H. von Wright. https://www.wittgensteinproject.org/w/index.php/%C3%9Cber_Gewi%C3%9Fheit#640 (abgerufen am 23.6.2025)