BAU I
Ulrike Grossarth
BAU I, 1989-2000
Installation, Lichtbildprojektion 10 Tische, 17 Projektoren diverse Warenartikel, Bücher, Eisengusstafeln, Papierobjekte, Schaumstoffe 5 große Glasblöcke (aus den 1930er Jahren) 1 Kleinplastik (Idealbeet) farbige Glasscheiben, Gipsformen, Spiegel, 1 Lampe, Diapositive (Straße in Berlin Mitte 1989) und Lichtformen Dimensionen variabel
GF0031075.00.0-2009
Werktext
Ulrike Grossarths bildnerisch-plastische Arbeiten sind von ihrer langjährigen Ausbildung und Praxis als Tänzerin geprägt. Bis ins Jahr 1987 hinein konzipiert und realisiert sie Performances, Aktionen und Tanzstücke. Nach dieser Zeit entwickelt sie Werkkomplexe, in denen sie die räumlichen und zeitlichen Wahrnehmungsweisen des Tanzes auf detailreiche, mit historischen Kontexten aufgeladene Ensembles überträgt. BAU I ist eine für das Werk der Künstlerin zentrale, experimentelle Zusammenstellung unterschiedlichster Gegenstände, deren Konstellation sie über einen Zeitraum von zehn Jahren entwickelt hat. Das Ensemble besteht aus Objekten, Licht, Schatten und Projektionen und ist nur in ständiger Bewegung erfassbar und erfahrbar. Waren, lltagsgegenstände, Lebensmittel und ihre Verpackungen, Abgüsse, Glas, Spiegel und technische Geräte sowie Projektionen, Lichtbilder, Silhouetten und Farben bilden ein Konglomerat aus Materiellem und Immateriellem, aus Realem und Fiktivem, aus Gegenstand, Funktion und Bedeutung. So, wie es mehrere Wege gibt, die Installation zu begehen, gibt es auch mehrere miteinander korrelierende Interpretationsmöglichkeiten: eine kunsthistorische, eine kultur- und geistesgeschichtliche und eine phänomenologische, die von der Erscheinung der Dinge ausgeht.1 Grossarth beschreibt ihre langjährige Arbeit am Werkkomplex BAU I folgendermaßen: „Ich begann 1990 mit einer Untersuchung zur Frage des Objektbegriffs im 20. Jahrhundert: von Duchamps industriellem Produkt als Fertigware bis hin zum Kultischen des Warenfetischs und dem Status des Objektes als Zeichen und Code. Mich interessierte allerdings eine Art der Intervention, die den Raum vom Gegenstand ununterscheidbar werden lässt, um damit Wahrnehmungs- und Erfahrungsweisen zu schaffen, die nicht auf der Trennung beider Aspekte beruhen.“2 (Jürgen Tabor) 1 Mieke Bal, „Modus Vivendi oder Das unvollendete Geschäft der Geschichte“, in: Ulrike Grossarth. Wäre ich von Stoff, ich würde mich färben, Hg. Sabine Folie und Ilse Lafer, Ausst.-Kat., Wien: Generali Foundation; Berlin: Sternberg Press, 2014, S. 35-51, hier S. 47. 2 Ulrike Grossarth, 1, 2, 3, 4, 5 – Umgebung. Arbeiten 1986 bis 2005, Ausst.-Kat., Berlin: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart; Köln: König, 2006, S. 74.