TV-Helm (Tragbares Wohnzimmer)
Walter Pichler
TV-Helm (Tragbares Wohnzimmer), 1967
Skulptur Polyester, weiß lackiert, integrierter Fernsehmonitor mit TV-Anschluss 59 x 120 x 43 cm
GF0001972.00.0-1998
Werktext
Walter Pichler zählt zu den herausragenden Bildhauern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Innerhalb seines Oeuvres nimmt die zwischen 1966 und 1969 entstandene Werkgruppe Prototypen eine Sonderstellung ein. Die wegweisenden, experimentellen Entwürfe dieser Zeit verbinden Architektur, Design und Skulptur und weisen sowohl visionäre als auch skeptische Tendenzen auf. Pichler bezieht sich in den Prototypen, zu denen auch der TV-Helm gehört, auf die Ästhetik der Raumfahrt, der Automobil- und Militärindustrie und verwendet modernistische Materialien wie Kunststoff, Aluminium oder pneumatische Elemente. Der TV-Helm, von Pichler auch Das tragbare Wohnzimmer genannt, kann als Körperapplikation, als physische und technologische Erweiterung des menschlichen Kopfes und zugleich als mediale Isolationszelle verstanden werden. Fotografien, in denen Pichler den TV-Helm aufsetzt oder aufsetzen lässt, demonstrieren, wie die jeweilige Person vollständig von der Außenwelt abgeschottet ist, während sie sich gleichzeitig auf den im vorderen Teil eingebauten Bildschirm mit dem aktuellen Fernsehprogramm fokussiert. Jahrzehnte vor der Erfindung der Virtual-Reality-Brillen nimmt Pichler mit diesem klaustrophobischen Technoraum die Erweiterung der menschlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten durch Medientechnologien vorweg und formuliert zugleich eine Kritik an der Vereinzelung und Vereinnahmung des Menschen im Zeitalter des Fernseh- und Medienkonsums. (Jürgen Tabor)