Mein Schlafzimmer in Prag
Dorit Margreiter Choy
Mein Schlafzimmer in Prag, 1993
Modell der Installation im Forum Stadtpark Prag 4 Teile Objekt, Karton, integrierte Beleuchtung, 50 x 28 x 19,6 cm Schwarz-weiß-Fotografie, Cibachrom, kaschiert auf Aluminium 50 x 32 cm 2 Seiten Text, à 29,7 x 21 cm, in deutsch/englisch und tschechisch/englisch Einladungskarte
GF0000279.00.0-1997
Werktext
Die Installation Mein Schlafzimmer in Prag aus dem Jahr 1993 gilt als erste Einzelausstellung von Dorit Margreiter Choy. In dieser Installation manifestieren sich bereits jene Themen und Aspekte, die das nachfolgende Werk der Künstlerin prägen werden. Dazu zählen die Auseinandersetzung mit Architektur als sozialem und ideologisch geprägtem Raum, die Beschäftigung mit dem Einfluss der Moderne auf den heutigen Alltag sowie die Bezugnahme auf die globale Zirkulation identitätspolitischer Bilder durch Film und Fernsehen. In Mein Schlafzimmer in Prag thematisiert Margreiter Choy ihre damalige Arbeits- und Lebenssituation in Prag. In einem Wohnhaus in der Prager Innenstadt wurde Anfang der 1990er-Jahre von der österreichischen Kulturinstitution Forum Stadtpark Graz eine Wohnung angemietet und eingeladenen Künstler:innen als Aufenthalts- und Arbeitsort sowie gleichzeitig als Ausstellungsort zur Verfügung gestellt. Konkret wurde das Vorzimmer als Ausstellungsraum genutzt, während das angrenzende Bad, die Küche und das Schlafzimmer als Wohnraum verfügbar waren. Öffentliches und Privates lagen hier unmittelbar nebeneinander, nur durch wenige Schritte und eine einfache Wohnzimmertür getrennt. Der Titel der Installation von Margreiter Choy verweist auf eine Situation, mit der Lina Loos zu Beginn des 20. Jahrhunderts konfrontiert war. Ihr Ehemann Adolf Loos, ein Architekturpionier der Wiener Moderne, veröffentlichte 1903 das von ihm entworfene Schlafzimmer für seine damalige Frau in einer Designzeitschrift. Dies war insofern ungewöhnlich, als dass es sich dabei um den intimsten Raum handelte und Loos die fotografische Darstellung seiner Wohnungseinrichtungen generell ablehnte, da deren vielschichtige Strukturen nur „real“ erfahren werden sollten. Margreiter Choy markiert die paradoxe Situation ihrer Prager Wohnung, indem sie im Eingangsbereich eine modellhafte Teleportationskabine installiert – einen Schwellenraum, der an eine „Beamer“-Kapsel erinnert, wie sie in den 1960er- und 1970er-Jahren durch das Science-Fiction-Genre populär wurde. Der Teleportationsraum, durch den die Besucher:innen die Wohnung und damit auch den Ausstellungsraum betreten, fungiert als Portal, das die Durchlässigkeit zwischen außen und innen, zwischen öffentlich und privat sichtbar macht. (Jürgen Tabor)