Bethan Huws
Bethan Huws wurde 1961 in Bangor, im Nordwesten von Wales, in Großbritannien geboren und wuchs zweisprachig (Walisisch und Englisch) auf. Von 1981 bis 1985 absolvierte sie das Middlesex Polytechnic und studierte anschließend von 1986 bis 1988 am Royal College of Art in London.
Ihre Werke wurden international in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt, u.a. im Kunstmuseum Winterthur, der Kunsthalle Bern, CH, der Hamburger Kunsthalle, dem Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main, dem KW-Institute for Contemporary Art in Berlin, DE, dem National Museum of Modern Art in Kyoto, JP, der Tate Britain in London, GB und dem Centre Pompidou in Paris, FR. Im Jahr 2003 vertrat Huws Wales auf der 50. Biennale von Venedig. Einzelausstellungen widmeten ihr unter anderem das Bonnefantenmuseum in Maastricht, BE (2006/07), das Museum Ludwig in Köln (2011), die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, DE, das Kunstmuseum Bern, CH (2014/15) und das Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz (2024).
Die Künstlerin wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter 1988 mit dem Kunst-Preis der Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld, DE und 2006 mit dem B.A.C.A. Europe Laureate Preis im Bonnefantenmuseum in Maastricht, BE. 1999-2000 absolvierte sie ein Henry Moore Sculpture Fellowship für Rom, IT. 2004 wurde ihr der Ludwig Gies-Preis für Kleinplastik der LETTER Stiftung, Köln, DE zuerkannt und 2007-2008 erhielt sie ein DAAD Artist-in-Residence-Stipendium für Berlin, DE.
Ihre Werke sind unter anderem in den Sammlungen der Tate Britain, UK, dem Centre Georges Pompidou, FR, dem Museum für Moderne Kunst (MMK), DE und der Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg, AT vertreten.
Bethan Huws lebt und arbeitet in Paris, FR und Berlin, DE.
Bethan Huws setzt sich seit den 1990er Jahren intensiv mit Marcel Duchamp auseinander, der die Grundbedingungen von Kunst hinterfragte. Aufgrund seiner Erkenntnis, dass die Auswahl eines beliebigen Objekts ein künstlerisch-ästhetischer Akt sein kann, begann er ab etwa 1913, industriell gefertigte Produkte als „Ready-mades“ zu bezeichnen. Er kam zu dem Schluss, dass diese zu Kunstwerken werden, wenn sie in einem musealen Kontext präsentiert werden. Seine „Ready-mades“ wurden zu Präzedenzfällen einer neuen Kunsttheorie, der zufolge sich Kunst nicht im Werk definiert, sondern vom Kunstkontext abhängt. Duchamp übertrug damit die Aufgabe, den künstlerischen Akt erst durch eigenes Denken zu vollenden auf die Betrachtenden. Darüber hinaus legte er die Bedeutung seiner Werke nicht fest, sondern verwendete Wortspiele, um bewusst ein weites Feld von Mehrdeutigkeiten, Ambivalenzen und Referenzen zu öffnen. Dadurch ermöglichte er ein breites Spektrum an Assoziationen, das sich bis heute wandelt.
Bethan Huws knüpft an die künstlerische Praxis der Ready-mades von Marcel Duchamp an. Exemplarisch verarbeitet die Künstlerin diesen Bezug in ihrer Installation The Forest, 2008/09, der sich aus 88 handelsüblichen Flaschentrocknern (Ready-mades) und einem aus Neonröhren geformten Flaschentrockner zusammensetzt.
Einen weiteren Schwerpunkt im Schaffen von Bethan Huws bildet Ihre intensive Auseinandersetzung mit Sprache. Selbst zweisprachig und im Bewusstsein der identitätsstiftenden Kraft von Sprache aufgewachsen, spielt dieser Aspekt eine zentrale Rolle im Leben und Schaffen der Künstlerin. Für ihre multimedialen sprachbasierten Text- und Videoarbeiten greift Huws einerseits die künstlerische Methode offener Mehrdeutigkeit von Duchamp auf und setzt sich andererseits mit den Grenzen, Brüchen und poetischen Verschiebungen alltäglicher Sprache auseinander. In dieser Hinsicht untersucht sie die Mechanismen von Sprache und problematisiert die Möglichkeiten und Grenzen sprachlicher Verständigung in direkter Auseinandersetzung mit der Sprachphilosophie des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein (1889–1951). Wittgenstein entwickelte nach seinem ersten Hauptwerk, dem „Tractatus logico-philosophicus“ (Logisch-philosophische Abhandlung), den er 1918 vollendete (erschienen 1921), eine Skepsis gegenüber Begriffen und distanzierte sich von seinem eigenen Werk aufgrund seiner Erkenntnis der Unmöglichkeit einer endgültigen Definition von Sprache. In seinen späten Philosophischen Untersuchungen betont Wittgenstein, dass die Bedeutung eines Wortes nicht in einer inneren Essenz festgelegt ist, sondern sich in seinem Gebrauch in sogenannten “Sprachspielen” manifestiert.
Das Schaffen von Bethan Huws basiert auf Wittgensteins Verständnis von Sprache als aktive Handlung, Lebensweise und variable Regelstruktur. Die Künstlerin isoliert Worte oder kurze Textfragmente und markiert damit ungewohnte Orte. Dadurch verändert sie ihren Gebrauchskontext. (Doris Leutgeb)