Video-Ping-Pong

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© Sammlung Generali Foundation - Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg, Foto: Werner Kaligofsky

Ernst Caramelle

Video-Ping-Pong, 1974

Videoinstallation, 2 Videomonitore, 2 Videoplayer, 2 Videos, schwarz-weiß, Ton, 45 min (Loop), 2 Metallregale (à 118,5 x 60 x 48 cm), Tischtennisschläger und Ping Pong Bälle, Rekonstruktion Tisch, Regale und technische Geräte: Ernst Caramelle mit Generali Foundation 2000

GF0002191.00.0-2000

Werktext

Ernst Caramelles künstlerischer Ansatz steht in der Tradition der Konzeptkunst, welche die Idee dem künstlerischen Produkt gleichstellt, unabhängig davon, ob sie realisiert wird oder nicht. Anlässlich der IV. Internationalen Malerwochen in Graz 1974 begann er, mit Video zu arbeiten, und führte in seiner typischen ironischen Art eine Reihe von Videoperformances durch, die als Videolandschaften dokumentiert sind. In diesen konzentriert sich Caramelle auf genau die Raumfläche, die von einem Monitor verdeckt wird. Er vervollständigt das unterbrochene Seherlebnis und macht den vom Monitor verdeckten Bereich wieder sichtbar. Das ist irritierend, denn „Hier wird die Videotechnik nicht zur Wiedergabe einer Handlung (Aktion) benutzt, sondern um reine Standbilder zu erzeugen. Ergänzungen oder Verfremdungen unterbrochener Realität“1 (Ernst Caramelle). Im selben Jahr vertiefte er sein Interesse als Forschungsstipendiat am Center for Advanced Visual Studies des MIT in Cambridge, US. Dort entsteht die Installation Video Ping-Pong (1974), eine Ikone der frühen Videokunst. Sie zeigt die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Medienrealität in einem nächsten Schritt: An beiden Enden einer realen Tischtennisplatte steht ein Regal mit einem laufenden Monitor. Auf jedem sind Bilder von Tischtennisspieler:innen in Aktion zu sehen. Ihr schnelles Spiel lässt den Ball kurz auf dem linken und dann auf dem rechten Monitor aufblitzen, sodass die Illusion eines Spiels zwischen den Geräten entsteht. Der Zwischenraum wird durch eine akustische Fiktion überbrückt: Man hört den Aufprall eines Balls, ohne ihn zu sehen. Sobald ein Spiel beginnt, wird die mediale Realität der Videomonitore infrage gestellt: Handelt es sich um eine Liveübertragung oder um eine Aufzeichnung des Spielgeschehens? (Doris Leutgeb) 1 Ernst Caramelle, „Ernst Caramelle“, in: Werke der IX. internationalen Malerwochen in der Steiermark, Hg. Wilfried Skreiner, Ausst.-Kat., Graz: Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, 1974, o. S.

Leihgeschichte
2018 New York, NY, USA, SculptureCenter 2018 Wien, AT, mumok Museum Moderner Kunst Stiftung Luwig Wien 2017 Cambridge, MA, USA, MIT List Visual Arts Center