Semiotics of the Kitchen

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© Sammlung Generali Foundation - Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg

Martha Rosler

Semiotics of the Kitchen, 1975

Videoperformance, schwarz-weiß, Ton, 6 min 9 sec Darstellerin: Martha Rosler

GF0001998.00.0-1999

Werktext

Martha Roslers Kurzfilm Semiotics of the Kitchen, in dem sie selbst als Performerin auftritt, ist eine feministische Kritik an der Rolle der auf die Küche verwiesenen Frau. Rosler stellt in ihrem Film eine TV-Präsentatorin dar und greift das spezifische Küchensetting sowie die Komik der TV-Shows der Kochpionierin Julia Child auf, die ab den 1960er-Jahren in den USA sehr erfolgreich waren. Doch sie selbst findet an ihrer Rolle nie Gefallen, im Gegenteil. Mit einer Schürze bekleidet, zwischen Kühlschrank, Tisch und Herd, demonstriert Rosler in kafkaesker alphabetischer Reihenfolge die Funktion der üblichen Kochutensilien vom Messer über den Nussknacker bis zum Nudelholz – mit zunehmender Wendung ins Widerwillige und Widerspenstige. Dabei bringt sie die frustrierende Langeweile und die Wut über die Enge dieser traditionellen Rollenverteilung pointiert zum Ausdruck. „Eine ernst blickende Frau, die Antithese zur perfekten TV-Hausfrau, präsentiert in frontaler Position vor einer statischen Kamera, ähnlich einer Verkaufs- oder Fernsehpräsentation, ein alphabetisches Lexikon von Küchenutensilien. Die Bedeutung der einzelnen Utensilien, Instrumente der häuslichen Knechtschaft, wird durch die Art der Gesten und das Auftreten der Performerin in ein Lexikon der Aggression und Frustration verwandelt.“1 (Jürgen Tabor) 1 Sabine Breitwieser, „Illustrierte Werkliste. Kurzbeschreibungen“, in: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, Hg. Sabine Breitwieser, Ausst.-Kat., Wien: Generali Foundation; Köln: König, 1999, S. 350-382, hier S. 365.