Ping Pong
VALIE EXPORT
Ping Pong, 1968
"Expanded Movie", "Leinwandaktion", "Film Objekt", "Film-Aktion/Aktionsfilm", "aktive Leinwand"
Film, N-8mm, schwarz-weiß, ohne Ton, solide Leinwand, Tischtennisschläger und Ping Pong Bälle 3 min (Loop) Dimensionen variabel Projektionsfläche ca. 150 x 200 cm
GF0000235.00.0-1995
Werktext
Die Medienkunstpionierin VALIE EXPORT hat wie kaum eine andere Künstlerin die Konventionen von Film und Kino, Video und Fernsehen hinterfragt und verändert. Seit den späten 1960er-Jahren setzte sie mit ihren medien- und gesellschaftskritischen Arbeiten international neue Maßstäbe. Mit radikalen Aktionen, Experimental- und Spielfilmen durchbrach sie die Unterwerfung unter ein männlich-chauvinistisch geprägtes Blickregime und entwickelte eine gegenkulturelle Film- und Mediensprache. Ping Pong zählt zu VALIE EXPORTs früher Werkgruppe des Expanded Cinema. Im Jahr 1968 wurde die Filmaktion bei der 2. Maraisiade: Junger Film in Wien mit dem Preis für den politischsten Film ausgezeichnet. Mit einfachen Mitteln werden die Betrachter:innen hier körperlich aus ihrer passiven Rolle herausgeholt. Ausgestattet mit Ball und Schläger, sollen sie Punkte treffen, die auf einer Leinwand oder einem Fernsehgerät immer irgendwo für einen kurzen Moment erscheinen. Die Filmaktion nimmt auf gewisse Weise die späteren interaktiven Computerspiele vorweg. Inhaltlich geht es um die Verdeutlichung des Herrschaftsverhältnisses zwischen Produzent: in und Konsument:in. Die Zuschauer:innen verlassen zwar ihre passive Rolle und werden zu Partner:innen in einem unterhaltsamen Spiel. Dies ist jedoch eine trügerische Freiheit, denn sie geraten in nichts anderes als in ein neues Reiz-Reaktions-Schema. Insofern bietet Ping Pong keine Befreiung, sondern Aufklärung. (Jürgen Tabor)