Stephen Willats

Biografie

Stephen Willats wurde 1943 in London geboren und besuchte dort von 1962 bis 1963 den von Roy Ascott, dem Pionier der Kybernetik, geleiteten „Ground Course“ an der Ealing School of Art. Von 1972 bis 1973 war er Direktor des „Centre for Behavioural Art“ in London. Seit den 1970er Jahren hatte Willats zahlreiche Einzelausstellungen in wichtigen Museen, unter anderem dem Victoria & Albert Museum in London, dem Museum of Modern Art, Oxford oder dem Badischen Kunstverein, Karlsruhe und war Teilnehmer von Großausstellungen, wie etwa der Biennale von Venedig 1982. 1990 organisierte er am Museum of Modern Art Oxford das Symposion „Art Creating Society“. Die bisher größte Retrospektive über Willats Werk zeigte das Museum für Gegenwartskunst Siegen 2007. Stephen Willats lebt und arbeitet in London.

Erweiterte Biografie

Stephen Willats ist als Gesellschafts-, Kommunikations- und Stadtforscher bekannt geworden und gilt als einer der Pioniere der konzeptuellen Kunst in Großbritannien. Seit 1965 gibt er das Control Magazine im Eigenverlag heraus, das künstlerischen Positionen als Forum dient, die sich mit zeitgenössischen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen. Gleichzeitig ermöglicht es diesen, sich mit anderen Disziplinen, wie zum Beispiel den Sozial- oder Computerwissenschaften zu verknüpfen. Seine kritische Haltung gegenüber den Beschränkungen der Kunstinstitutionen – insbesondere ihrer mitunter einseitigen Kommunikationsstruktur – führte ihn zur Entwicklung partizipatorischer Projekte, bei denen die Beteiligten motiviert werden, sich aktiv mit ihrer eigenen Lebenssituation, ihrer Wahrnehmung, ihren Verhaltensmustern, Wünschen und Frustrationen auseinanderzusetzen. Dabei arbeitet er bewusst mit unterschiedlichen sozialen Gruppen, wie in „Man from the Twenty First Century“ (1969-1970) und „West London Social Resource Project“ (1972-1973). Das Interesse des Künstlers gilt in vielen seiner Werke der Relation zwischen Bewohner_innen und architektonischem Kontext, und hier vorrangig modernistischen Hochhaussiedlungen – zum Beispiel in Westberlin (u.a. „Wie ich entdecke, dass wir von anderen abhängig sind“, 1979-1980). Häufig verwendet Willats Interviews und Fragebögen und befragt die Bewohner_innen ganzer Wohnviertel zu ihrem Lebensumfeld. Die Ergebnisse dieser analytischen Arbeit stellt er oftmals in Form diagrammatischer Schautafeln dar, die auf den theoretischen Hintergrund seines Werks verweisen, das seine Verankerung in kommunikations- und systemtheoretischen Fragestellungen findet. Hinsichtlich der Abgrenzung seiner Arbeitsweise gegenüber soziologischen Studien, betont Willats, dass seine Werke nicht darauf abzielen Daten in Bezug auf ein vorformuliertes Forschungsziel zu sammeln, sondern darauf, dass die Beteiligten Einsichten über sich selbst gewinnen können.

Künstlerbücher

  • Stephan Willats. Ich lebe in einem Betonklotz. Text von Willats, Stephen. Köln: Buchhandlung Walther König, 1980.
    KM Willats Stephen 05 -