Friedl Kubelka (=vom Gröller)

Biografie

Friedl Kubelka wurde 1946 in London geboren und besuchte von 1965 bis 1969 die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt, Abteilung Fotografie, in Wien. Nach ihrer Meisterprüfung als gewerbliche Fotografin betrieb sie von 1971 bis 1977 ein eigenes Fotoatelier. 1977 leitete sie die erste „Klasse für künstlerische Fotografie“ und gründete 1990 ihre eigene „Schule für künstlerische Fotografie“ in Wien. 1997 schloss sie eine psychoanalytische Ausbildung ab. Friedl Kubelka lebt in Wien.

Erweiterte Biografie

Nach ersten künstlerischen Arbeiten im Jahr 1971 begann Kubelka 1972 das Langzeitprojekt der Jahresportraits. Über den Zeitraum eines Jahres nimmt sie sich täglich selbst mit der Kamera auf – dieser Vorgang wird alle fünf Jahre wiederholt. Diese konzeptuell strukturierte Arbeit am Thema Selbstportrait erzeugt durch den Wechsel von übersteigerten Posen weiblicher Selbstinszenierung mit Dokumenten des Rückzugs ein komplexes Bild weiblicher Identitätssuche. Durch die Wahl der Inszenierung und der Requisiten werden kleine Geschichten und persönliche Erlebnisse angedeutet – die einzelnen Fotos schließen sich scheinbar zu einem Film mit einem Bild pro Tag zusammen. Die Weiterführung dieses Projekts in Wochen - (Portrait Louise Anna Kubelka,1978-96) und Tagesportraits (z.B. Tagesportrait Peter Kubelka, 1974) mit einer Aufnahme pro halbe Stunde erreichte seine Kulmination im Das tausendteilige Portrait (1980) ihrer Mutter. Diese in 43 Sektionen gegliederte Arbeit, die auf einen Index von Gedanken ihrer Mutter Lore Bondy rekurriert, zeigt Portraits mit sehr kurzen Pausen zwischen den einzelnen Bildern und kommt so dem filmischen Verfahren der Auflösung der Wirklichkeit in einzelne Kader am nächsten. In einer Umkehrung des dem Film entlehnten fotografischen Verfahrens portraitiert Kubelka in ihren filmischen Arbeiten Personen im Zustand größtmöglicher Unbewegtheit. In Filmen wie Heidi (1974), Peter Kubelka und Jonas Mekas (1994) oder Elten (1997-99) wird durch das Fehlen von Aktion und Handlung in einzigartiger Weise der zwischenmenschliche Prozess während des Aufnehmens und Aufgenommenwerdens dokumentiert - teilweise mit dem realen Auftritt der Künstlerin im Film selbst. (Hemma Schmutz)