Image und Umsatz oder:
Wie kann man einen Schuh darstellen?

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© Generali Foundation Collection—Permanent Loan to the Museum der Moderne Salzburg

Harun Farocki

Image und Umsatz oder:
Wie kann man einen Schuh darstellen?, 1989

Video, black and white and color, sound, 52 min Director, scriptwriter: Harun Farocki Cinematographer: Ingo Kratisch Editor: Egon Bunne, Rosa Mercedes (Harun Farocki) Sound: Klaus Klingler Location manager: Michael Trabitzsch Production: Harun Farocki Filmproduktion, Berlin-West for den SWF, Baden-Baden Producer: Harun Farocki TV-producer: Ebbo Demant

GF0030787.00.0-2007

Artwork text

Wenn man Filme unterscheidet in solche, in denen die Bilder Thesen illustrieren und andere, in denen die Bilder Freigang haben, gehört dieser Film zur zweiten Kategorie. Image und Umsatz. Oder wie kann man einen Schuh darstellen? ist ein Film genauer Beobachtung. Zwischentitel erzählen von den verschiedenen Arbeitsschritten bei der Erstellung einer Werbekampagne für eine neue Schuhkollektion der Firma Ricosta in Donaueschingen. Die Kamera verfolgt die Redner, die Mimik der Zuhörer und in close ups die Tätigkeiten: wie Notizen angefertigt und die passenden Modelle ausgewählt werden, wie ein Filzstift über das Papier huscht, wenn die Skizze einer Schaufensterauslage entworfen wird. Harun Farocki schaut neugierig zu, wie ein Produkt inszeniert wird. Wenn man mag, kann man etwas erfahren und sich selbst ein Bild machen. (Stefan Reinecke, Deutsche Volkszeitung, 25. 8. 89) Die Kritik, die in erster Linie das in einem Film sehen möchte, was sie selbst schon weiß, sieht nicht. Sie will vermutlich auch nicht sehen. Sie begreift das Fernsehen als Fabrikationsanlage von wohlabgepackten und mit Stickern versehenen Meinungen: Gut, böse, schlecht, nützlich, gefährlich, angenehm. Harun Farocki widersetzt sich mit seinem Film dieser Erwartung. Er zeigt etwas, was zu sehen und zu hören ist. Und das man selbst zu begreifen hat. (Dietrich Leder, Funk-Korrespondenz, Köln, 1.9. 89)