© Sammlung Generali Foundation - Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg

Andrea Fraser

Kunst muss Hängen, 2001

Videoinstallation Video, Farbe, Ton, 32 min 55 sec (Loop) Darstellerin: Andrea Fraser Produktion: Andrea Fraser und Galerie Nagel, Köln, 2001, "Eine abstrakte Darstellung II", 2001 Gemälde, Ölfarbe und Graphit auf grundierter Leinwand 65,6 x 70,3 cm Projektionsfläche ca. 244 x 335 cm Edition 3/6, 2 A. P.
Kunst muss hängen (Art Must Hang) wurde erstmals 2001 in der Kölner Galerie Christian Nagel präsentiert. Die Performance, als lebensgroße Videoprojektion über einem von acht für die Aus-stellung angefertigten Gemälden gezeigt, ist die Rekonstruktion einer der späteren Stehgreif-Tischreden von Martin Kippenberger. Diese Rede war ursprünglich 1995 im österreichischen Club an der Grenze anlässlich einer Ausstellungseröffnung von Martin Würthle gehalten worden, dem Besitzer der Paris Bar in Berlin und einem engen Freund Kippenbergers. In einer mehr als sechswöchigen Vorbereitungsphase lernte die Künstlerin diese Rede anhand eines Videos von Würthles Eröffnung auswendig. In vielerlei Hinsicht ist Kippenbergers Ansprache exemplarisch für die Ambivalenz, die die per-formancehafte Darstellung seiner Künstlerrolle durchzog. Jede Aussage zugunsten des ausstel-lenden Künstlers wirkt lächerlich, jede Form der Selbstdarstellung peinlich, jede ehrliche Geste wird durch Witze auf Kosten seines Freundes, des Publikums oder seiner selbst untergraben. In der4cWiederaufführung der Rede wird diese Mehrdeutigkeit gedoppelt. Kippenbergers sponta-nes, umgangssprachliches, angetrunkenes Deutsch wird nachgeahmt von einer Person, die die-se Sprache nicht einmal versteht. Der Verfremdungseffekt dieser Verschiebung wird noch weiter verkompliziert durch die vorliegende Gender-Differenz und die Gegenüberstellung zweier so verschiedener künstlerischer Positionen. Diese Dopplung selbst wird wiederum verschoben, indem die Künstlerin nicht nur Kippenbergers Rolle als Laudator einnimmt, sondern auch die des Freundes, des Gegenstandes seiner vieldeutigen Rede also, denn sie zeigte zusätzlich ei-gene Gemälde, ihre ersten seit 1984. Obwohl diese deutlich minimalistisch beeinflusst sind, enthalten sie doch auch Kippenberger'sche Elemente3- wie etwa den potenziell peinlichen Ein-druck von Talentlosigkeit. Der Titel "Kunst muss hängen" bezieht sich auf einen persönlichen Kontakt der Künstlerin mit Kippenberger. In ihrer ersten Ausstellung in der Galerie Nagel befanden sich sechs Aluminium-scheiben mit "Smileys" (und "Frowneys", ihrem grimmigen Gegenpart), die ursprünglich für A-muse(um) entstanden waren. Kippenberger erwarb diese Arbeiten und hängte sie zusammen mit anderen Stücken seiner Sammlung in die Paris Bar in Berlin. Allerdings fielen die Scheiben immer wieder von der Wand. Als Kippenberger die junge Konzeptkünstlerin das nächste Mal traf, ermahnte er sie: "Kunst muss hängen". (Andrea Fraser)
GF0030202.00.0-2004
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