Peter Weibel

Biografie

Peter Weibel wurde 1944 in Odessa, Ukraine geboren. Er studierte Literatur, Medizin, Logik, Philosophie und Film in Paris und Wien. Von 1992 bis 1995 war Peter Weibel künstlerischer Leiter der Ars Electronica. 1992 und 2011 war er Chefkurator der Neuen Galerie in Graz. Von 1993 bis 1999 kuratierte er den Österreichischen Pavillon für die Biennalen von Venedig. 2008 kuratierte er die Internationale Biennale von Sevilla und 2011 die 4. Moskau Biennale. Er erhielt den Generali Skulpturenpreis (1991), den Siemens Medienkunstpreis (1997), den Käthe-Kollwitz-Preis (2004) und den europäischen Kultur-Projektpreis der europäischen Kulturstiftung (2009). Er unterrichtete an zahlreichen Institutionen wie an der Universität für Angewandte Kunst Wien, dem College of Art and Design in Halifax, Kanada und der Gesamthochschule Kassel. 1984 wurde er für fünf Jahre als Associate Professor for Video and Digital Arts an das Center for Media Study der State University of New York in Buffalo, N. Y. berufen. Aktuell ist er Leiter und Vorstand des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, wo er seit 1999 lebt.

Erweiterte Biografie

Weibel prägte gegen Ende der 1960er Jahre den Begriff des "Expanded Cinema". Gemeinsam mit KünstlerInnen wie VALIE EXPORT und Ernst Schmidt jr. versuchte er, das Medium Film und seinen Zeichencharakter mit Hilfe von aktionistischen Elementen zu dekonstruieren. Seinen Film "welcome" (1964-66) ließ er sich auf Brust und Rücken projizieren, beim "expanded movie" "nivea" (1967) dienten das reale Objekt und sein schattenhaftes Abbild der Offenlegung der filmischen Apparatur. In dieser Zeit realisierte er auch seine "Action-Lectures", performative Umsetzungen seiner Theorien. Die Analyse und Aufdeckung von sprachimmanenten Machtmechanismen und zu Grunde liegenden Ideologien, besonders in von Medien vermittelten Informationen, verfolgte Weibel in seinen theoretischen Texten wie in seiner künstlerischen Arbeit. Gegen Ende der 1960er Jahre integrierte er verstärkt gekoppelte und vernetzte Kommunikationsapparate in seine "Action-Lectures", um sich in weiterer Folge den Massenmedien Fernsehen und Video zu widmen, die durch ihren prozessorientierten Charakter und veränderte raum-zeitliche Rezeptionsbedingungen für ihn durchaus kritisch-aufklärerisches Potential besaßen. In dieser Zeit entstanden, in Kooperation mit Fernsehanstalten, die "Tele-Aktionen" wie auch Weibels Closed Circuit Installationen, etwa "Beobachtung der Beobachtung: Unbestimmtheit" (1973), eine komplexe Auseinandersetzung mit mediatisierten Identitätsfindungsprozessen und medialer Überwachung. Interaktivität und Virtualität, durch elektronische Medien veränderte Bildformen und deren utopisches Potential im Bezug auf unsere Wahrnehmung stehen auch im Mittelpunkt seiner jüngeren Multimediaarbeiten. (Claudia Slanar)