Martin Walde

Biografie

Martin Walde wurde 1957 in Innsbruck, Österreich geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste, Wien bei Max Weiler und Arnuf Rainer. 1991 wurde ihm der Otto Mauer Preis verliehen, 1998 der Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst. Nach wiederholten Aufenthalten in Paris lebt und arbeitet er in Wien und New York.

Erweiterte Biografie

Walde arbeitet in den Medien Zeichnung, Objekt, Installation und in jüngerer Zeit auch mit Video. Im Gegensatz zu den Malerei-Strömungen der 1980er Jahre, als er seine künstlerische Praxis definierte, bedient Walde sich des Wortes in Reflexion auf visuelle Zeichen. Semantik und Syntax von Sprache und Bild werden in unorthodoxe Zusammenhänge gestellt. Die Zeichnung betrachtet Walde als Gedankenexperiment visueller Kommunikation, die ermöglicht, reale Aspekte der Wirklichkeit in utopische Möglichkeiten zu transferieren. Er arbeitet narrativ und dekonstruiert die populäre Erzählkultur mit an Comicgeschichten erinnernder Ironie und Utopie. 1986 nahm er an der "Aperto 86" im Rahmen der Biennale di Venezia und an "Chambres d’Amis", einer legendären Ausstellung in Privaträumen in Gent, Belgien, teil. 1989 stellte er unter dem Titel "Animal-Farm/Bremer Stadtmusikanten" eine Reihe von Storyboards in Verbindung mit einer Installation in den ehemaligen Räumen der Generali Foundation aus. Der Einfluss von Cartoons verdeutlicht sich in der Installation "Raumbeule/Transportable Hole" (1988), die sich im Schwarz-Weiß-Kontrast konvex und scheinbar konkav in Raum und Gegenraum wölbt, wobei letzterer die Wandoberfläche optisch durchbricht. Ein "Transportable Hole" wird im Cartoonfilm "Roger Rabbit" als Fluchtweg benützt. Waldes Ästhetik fasziniert sich an Zwischenbereichen und alltäglichen Gegenständen, instabilen Materialien und normativ abweichenden Einbrüchen in alltägliche Ereignisse. Plastische Objekte besitzen ephemeren Charakter und sind gleich den Installationen auf das sinnliche Erleben der Betrachter angelegt, die die künstlerische Fiktion erst durch Interaktion real werden lassen. Bei der Documenta X 1998 in Kassel stellte Martin Walde u. a. eine Installation aus organischen Materialien aus. Unter Licht vermehrten sich Würmer im Mehl und veränderten die Arbeit durch ihre Bewegungsspuren. (Doris Leutgeb)