Dominik Steiger

Biografie

Dominik Steiger, 1940 in Wien geboren, publizierte seine ersten Gedichte 1961 im Selbstverlag. Er lernte die Autoren der Wiener Gruppe und die Künstler des Wiener Aktionismus kennen und schuf in diesem Umfeld Werke, in denen er die Grenzen der verschiedenen Künste überschritt. Sein literarisches Werk erschien in den 1960er Jahren bei Suhrkamp und wird, nachdem sich Steiger für längere Zeit fast gänzlich aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen hatte, seit den 1990ern vom Literaturverlag Droschl verlegt. 2004 erhielt Steiger den Würdigungspreis für Literatur der Republik Österreich. Er verstarb im Jahr 2014.

Erweiterte Biografie

Entsprechend seinen Anfängen als Dichter steht in Steigers ab Anfang der 1970er Jahre entstehendem bildnerischen Werk, das Zeichnungen, Malerei, Materialbilder, Druckgrafiken, Kleinplastiken, Audiokassetten und Videos umfasst, die Sprache im Mittelpunkt. In der Sammlung der Generali Foundation befinden sich frühe Zeichnungen, die den Titel "Knöchelchen" tragen. In diesen setzt er mit zarten Bleistiftstrichen an winzige Knochen erinnernde Formen aufs Papier, die, weil sie so klein sind und auf Grund ihrer Anordnung - einmal tabellarisch wie ein Alphabet in einem Setzkasten, einmal wie in Schreibschrift zu einem zarten Linienfluss verbunden - an Schriftzeichen erinnern und Bedeutung suggerieren, sich dabei jedoch konventioneller Lesbarkeit und damit jeglicher Eindeutigkeit entziehen. Seine, ebenfalls in der Sammlung vertretenen, sogenannten "Letterfälle" zeichnen sich durch ihren spielerischen Umgang mit Sprache und Schrift aus, arbeiten etwa mit Klangähnlichkeiten zwischen Worten verschiedener Sprachen oder beruhen auf Achrostika, Schriftbildern, bei denen die Anfangsbuchstaben der Zeilen vertikal Worte ergeben und folglich eine zweite Leserichtung ermöglichen. Seine gegenüber festgelegten Bedeutungen hermetischen Schriftzeichen weisen darauf hin, dass durch konventionelle Sprache vieles nicht ausgedrückt werden kann, das in der Ordnung der Zeichen durch die Herrschaft des rationalen Diskurses verdrängt wird. In seiner Schrift, die keine direkte Verweisfunktion hat, bleibt allein die materielle Seite der Zeichen bestehen - jene Seite also, die in den Dualismen der abendländischen Kultur (wie Körper/Geist, Natur/Kultur, Tier/Mensch) zunehmend unterdrückt wurde, und die es zu beherrschen galt. Steigers Werke erscheinen als Versuch, die herrschende Sprache gegenüber diesem Unterdrückten zu öffnen. Obwohl Steiger mit Künstlern wie Oswald Wiener, Gerhard Rühm, Dieter Roth, Günter Brus und Hermann Nitsch zusammengearbeitet hat, präsentiert er sich bis heute als "bastelnder Amateur", der zum Beispiel Objekte aus Tischlereiabfällen schafft und Aquarelle auf Küchenpapier malt. Diese skeptische und oft auch humorvolle Haltung gegenüber dem Kunstbetrieb verbindet ihn, neben seiner Position als Dichter, der sich von der "brotlosen" Dichtung ab- und der lukrativeren bildenden Kunst zugewandt hat, und der Stellung seines Werks zwischen Wort- und Bildkunst, mit dem ebenfalls in der Sammlung vertretenen belgischen Konzeptkünstler Marcel Broodthaers.