Anna Oppermann

Biografie

Anna Oppermann wurde 1940 in Eutin, Deutschland, geboren und studierte von 1962 bis 1968 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und Philosophie an der Universität Hamburg. Nach einer Gastdozentur in Hamburg und einer Professur in Wuppertal, war Oppermann von 1990 bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1993 Professorin an der Hochschule der Künste Berlin. Oppermann hatte ab den 1970er Jahren zahlreiche Einzelausstellungen in Galerien und Museen, u. a. der Hamburger Kunsthalle, nahm an der documenta 6 (1977) und 8 (1987), sowie an den Biennalen von Venedig (1980) und Sydney (1984) teil und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2007 präsentierte die Generali Foundation gemeinsam mit dem Württembergischen Kunstverein in Stuttgart die erste umfassende Einzelausstellung Anna Oppermanns seit ihrem Tod.

Erweiterte Biografie

Anna Oppermann entwickelte eine charakteristische Arbeitsweise, in der sie über Jahre hinweg Arrangements aus einer großen Anzahl von Zeichnungen, Fotografien, Bildleinwänden und handschriftlichen Notizen zu raumgreifenden Installationen zusammenfügte, für die sie den Begriff „Ensembles“ prägte. Die Künstlerin verstand, nach eigener Definition, diese keinem normativen Ordnungssystem unterworfenen Werke als Interaktionsangebot. Sie wollte Vermittlerin zwischen den verschiedenen Disziplinen, zwischen Ratio und sinnlicher Wahrnehmung, zwischen Kunst und Wissenschaft, Normalbürger_innen und Außenseiter_innen sein. Die Ensembles kreisen u. a. um Problemfelder, wie zum Beispiel die Rolle als Frau und Künstlerin in den späten 1960er Jahren, das Verhältnis von Normalität und Außenseitertum im Rahmen bestehender gesellschaftlicher Normen, um die Dynamiken zwischenmenschlicher Beziehungen und schließlich den Prozess des Kunstmachens selbst in Relation zu den Mechanismen des Kunstmarkts. Die einzelnen Ensembles entwickelten sich dabei nicht linear, sondern in untereinander vernetzten Episoden und müssen für jede Ausstellung neu aufgebaut und dabei gleichsam neu inszeniert werden. Da Fotografien jeder neuen Installation in den jeweils nächsten Aufbau integriert werden sollen, wachsen die Ensembles auch posthum weiter. Sie sind als in permanenter Veränderung begriffene, offene Konstellationen angelegt. Oppermann ist eine jener Ausnahmepersönlichkeiten im Kunstgeschehen, die im Sinne der Harald Szeemann’schen „Individuellen Mythologien“ in den 1970er Jahren einen neuen Kunstbegriff von Prozessualität und obsessiver Selbstbefragung, gepaart mit präziser Analyse gesellschaftlicher und politischer Befindlichkeiten mitgeprägt haben.