Bertrand Lavier

Biografie

Bertrand Lavier wurde 1949 in Châtillon-sur-Seine, Frankreich geboren. Sein Gartenbau-Studium in Versailles brach er 1972 ab, um künstlerisch zu arbeiten. Er lebt in Paris und Aignay-le- Duc.

Erweiterte Biografie

In Malerei, Skulptur und Fotografie hinterfragt Lavier formal-ästhetische Kriterien, kunstgeschichtliche Konventionen und die künstlerische Tätigkeit an sich. Seine erste Arbeit "Peinture blanche sur amplelopsis" (1969), zwei direkt auf Wilden Wein gemalte Linien weißer Farbe, weist auf den radikalen Dialog hin, den er malerisch und skulptural mit Formen visueller Repräsentation der Realität führen wird. So untersucht Lavier in "Rouge geranium par Duco et Ripolin" (1974-83) durch Gegenüberstellung gleicher Farbtöne unterschiedlicher Hersteller das Verhältnis von Sprache und piktoraler Realität. Ab den 1980er Jahren bemalt er industrielle Alltagsobjekte mit pastosen Schichten ihrer ursprünglichen Farbe, die diese zwischen Objektstatus und Malerei oszillieren lassen. Für die Documenta 7, 1982, bedeckte er Fenster und Heizkörper eines Ausstellungsraumes mit Acrylfarbe. Parallel intensiviert Lavier ab 1984 Duchamps "Ready-made" in Form übereinandergestellter Alltagsgegenstände. Diese Verdoppelung erweitert die Infragestellung der Form des Kunstwerkes um jene seiner Präsentation und führt zu einer Irritation der Hierarchie von oben und unten, von Sockel und Kunstwerk. Mit den Skulpturen "Knapp-Monarch sur Solid Industries" (1986) und "Ikea sur Zanussi" (1986) war er auf der Documenta 8, 1987, vertreten und realisierte zudem eine Installation im öffentlichen Raum: die "Composition Verte et Blanche" erinnerte durch weiße Abgrenzungen auf einem eigens angelegten Rasenstück an einen Tennisplatz. Verinnerlichte Klischeebilder moderner Kunst thematisiert Lavier in der Werkserie "Walt Disney Productions" (1985-94), die auf einem Mickey Mouse Comic basiert, der in einem Kunstmuseum spielt. Darin gezeigte abstrakte Bilder und Skulpturen setzt er mittels reproduktionstechnischer Verfahren in die Realität um und reintegriert damit in humorvoller Weise Vorstellungen über moderne Kunst aus einem populärkulturellen Kontext in das Museum. (Luisa Ziaja)