Mission Statement

Heimo Zobernig, Ohne Titel, 1994 © Generali Foundation © VBK, Foto: Margherita Spiluttini

Die Generali Foundation stellt einen bislang auch international wohl weitgehend einzigartigen Fall von Bemühungen um „cultural and social responsibility“ dar, bei dem ein Konzern seit mehr als zwei Jahrzehnten eine akzentuierte und inhaltlich fokussierte Sammlungstätigkeit auf nachhaltige Weise verfolgt und darüber hinaus einen kritischen Diskurs begleitet und immer wieder initiiert, der nicht nur künstlerische und kunsttheoretische, sondern auch gesellschaftspolitische Agenden anspricht. Wirksam wird diese Auseinandersetzung in einer kontinuierlichen Ausstellungs-, Publikations- und Forschungstätigkeit sowie in einer Reihe von Veranstaltungen. Die Generali Foundation ist hier seit vielen Jahren eine der wichtigen Determinanten in Österreich, aber auch im internationalen Feld.

 

Ausstellungen und Publikationen

Die Generali Foundation beruft sich auf die klassischen Aufgaben des Museums: auf Forschung, Erhaltung, Dokumentation und Vermittlung von Kunstwerken. Ein wichtiges Instrument für die Entwicklung der Sammlung sind die Ausstellungen, denen größer angelegte Recherchen zu Werkkomplexen vorausgehen; dabei sind oftmals unterrepräsentierte Künstler_innen und/oder gesellschafts- und kunsttheoretisch brisante Themen von Interesse. Jährlich werden zwei bis drei Einzel- oder Gruppenausstellungen gezeigt –vorzugsweise Eigenproduktionen, aber auch in Kooperation mit anderen Institutionen –, die von Veranstaltungen wie Vorträgen, Performances oder Filmvorführungen begleitet werden. Das Ausstellungsprogramm entsteht mit Bezugnahme auf die Sammlungstätigkeit: Kontinuierlich werden Arbeiten der Sammlung in Ausstellungen neu kontextualisiert und Ausstellungen umgekehrt auch im Hinblick auf Werke angelegt, deren Erwerb für die Sammlung von Interesse sein kann.

 

Die Grundlagenforschung und damit das Bestreben, einen Beitrag zur Kunstgeschichtsschreibung zu leisten, sind für die Publikationstätigkeit richtungsweisend. Der Schwerpunkt der Ausstellungspublikationen liegt weniger auf der Dokumentation der eigenen Aktivitäten als auf längerfristig angelegten und editorisch anspruchsvollen Projekten zur zeitgenössischen Kunst wie der Erstpublikation von Schriften von Künstler_innen, aber auch der Aufarbeitung von bislang nicht bearbeitetem Material.

 

Die Sammlung – Erhaltung, Dokumentation, Forschung, Produktion

Der Aufbau und die Erhaltung der Sammlung zeitgenössischer Kunst internationalen Formats und die wissenschaftliche Bearbeitung und Dokumentation der Bestände stehen im Zentrum des Interesses der Generali Foundation.

 

Die Sammlung besteht derzeit aus rund 2100 Werken von 250 internationalen Künstler_innen. Im Gegensatz zu der bei öffentlichen Sammlungen bestehenden Zielsetzung, einen geschlossenen Überblick über Stile und Strömungen zu bieten, profiliert sich die Sammlung der Generali Foundation durch Schwerpunkte auf einzelnen künstlerischen Positionen in Verbindung mit spezifischen Themenbereichen. Die Werke reichen bis in die späten 1950er zurück, den Kern bilden konzeptuelle Tendenzen der 1960er und 1970er Jahre sowie Künstler_innen der Gegenwart mit konzeptueller Ausrichtung.

 

Dementsprechend finden Kunstwerke Eingang in die Sammlung, die die wesentlichen Errungenschaften der Kunst konzeptueller Ausrichtung reflektieren: die Abkehr von der Fokussierung auf das Objekt (Dematerialisierung) und demgegenüber das Primat der Sprache (Sprachphilosophie, Strukturalismus) respektive der Idee, die Relativierung der Autorschaft (Roland Barthes) und die Bevorzugung des Amateurhaften (deskilling) sowie dessen Revision, das Prozesshafte und Performative sowie künstlerische Positionen, die die Rolle der Medien (Informationstechnologie) und gesellschaftliche Parameter analysieren und kritisch hinterfragen. Der anfänglichen Auseinandersetzung mit Skulptur in der Sammlung entspricht die zeitgenössische Auffassung dieses Begriffes von Kunst als eines sozialen Raums und der Erforschung der Schnittstellen von Kunst, Architektur und Design sowie kritischen Revisionen der Moderne und Postmoderne. Medien wie Fotografie, Film, Video und Installation, die einen prozessorientierten Umgang zulassen und die post-medium condition (Rosalind Krauss) reflektieren, d. h. die Abwendung von klassischen Gattungsbegriffen, wird daher in der Sammlung ein besonderer Stellenwert beigemessen. Die Sammlung der Generali Foundation wird nicht permanent, sondern in regelmäßigen Abständen in eigenen Ausstellungen sowie durch Leihgaben an internationale Institutionen gezeigt.

 

Die Generali Foundation hat sich der wissenschaftlichen Bearbeitung und Restaurierung einer Reihe von wichtigen Beständen angenommen. Dazu gehören das zeichnerische Werk und die Filme Gordon Matta-Clarks und die Expanded Cinema-Werkgruppe von VALIE EXPORT sowie die Gruppe der Prototypen aus den 1960ern von Walter Pichler und eine Reihe von frühen Videoarbeiten aus Österreich und Zentralosteuropa. Immer wieder werden auch Werke speziell für die Sammlung produziert. Das bekannteste Beispiel ist New Design for Showing Videos (1995) von Dan Graham, eine mobile Architektur zum Betrachten von Videos, die mit der Videosammlung der Generali Foundation entwickelt wurde. Die Videoinstallation Ich glaubte Gefangene zu sehen (2000) von Harun Farocki, Rural Studio: The Butterfly House von Marjetica Potrč und Déconnage (2011) von Angela Melitopoulos und Maurizio Lazzarato sind jüngere Beispiele gemeinsamer Produktionen.

 

Parallel zu diesen Aktivitäten hat die Generali Foundation systematisch ein Archiv und eine Bibliothek aufgebaut, die gemeinsam mit der umfangreichen Mediathek (umfasst 500 Filme und Videos der Künstler_innen der Sammlung und bislang rund 300 Begleitveranstaltungen) im Studienraum der Generali Foundation öffentlich zugänglich sind.