© Sammlung Generali Foundation - Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rosemary Mayer

Adrian Piper

Untitled Performance at Max's Kansas City, NYC, 1970

Dokumentation der Performance 4 Schwarz-Weiß-Fotografien, Silbergelatine auf Barytpapier (Abzüge ca. 1998) à 41 x 41 cm, gerahmt à 50 x 51,7 cm
Max’s war ein Kunst-Environment, bis oben vollgefüllt mit Kunst-Bewusstsein und einem Selbstbewusstsein, das sich auf Kunst-Bewusstsein gründete. Man brauchte Max’s nur zu betreten, um entweder als Objekt oder als KollaborateurIn vom kollektiven Kunst-Selbst-Bewusstsein förmlich aufgesogen zu werden. Ich wollte nicht als Kollaborateurin aufgesogen werden, denn das hätte bedeutet, dass mein eigenes Bewusstsein durch andere annektiert und verändert worden wäre: Es hätte bedeutet, zuzulassen, dass mein Bewusstsein durch deren Kunstwahrnehmungen beeinflusst und dass meine Kunstwahrnehmung deren Bewusstsein zugeführt wird, und das wollte ich nicht. Ich hatte immer schon eine ausgeprägte individualistische Ader. Meine Lösung bestand darin, mein eigenes Bewusstsein, so gut das eben ging, zu privatisieren, indem ich es vor allem sinnlichen Input dieses Environments schützte; indem ich es gegenüber allen taktilen, hör- und sichtbaren Feedbacks isolierte. In diesem Sinne präsentierte ich mich als stummes, geheimes, passives Objekt, das scheinbar bereit war, als Objekt von deren Bewusstsein absorbiert zu werden. Aber ich begriff, dass vollständige Absorption ein Unding war, weil meine “freiwillig” gewählte objekthafte Passivität aggressive Aktivität und Entscheidungsmacht implizierte, also eine unabhängige Präsenz, welche das kunstbewusste Environment mit seiner eigenen Autonomie konfrontierte. So verkehrte sich mein Objektstatus zum Subjektstatus. (Adrian Piper)
GF0003362.00.0-2003
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