Der Wert des „Ausstellungswerts“

Ausstellungsansicht: The Content of Form, Generali Foundation, 2013 © Generali Foundation. Foto: Margherita Spiluttini

Mittwoch, 26. Juni 2013, 17–20 Uhr (Deutsch)

Symposium

Walter Benjamin setzt den Ausstellungswert dem Kultwert entgegen, ohne ihn genauer zu bestimmen. Das Symposium versucht an unterschiedlichen Lektüren, diesen Begriff zwischen den Werten der Sammlung und dem Wert des Werks historisch und systematisch zu verorten.

 

17:00 Uhr

Eva Kernbauer

Conversation Pieces

Vortrag

 

Walter Benjamin beschreibt die Entwicklung des Ausstellungswerts als einen Vorgang, bei dem künstlerische Arbeiten zu „Gebilde[n] mit ganz neuen Funktionen“ werden. In ihrer Rolle als Exponate öffnen sich Kunstwerke einer Vielfalt unterschiedlicher Kommunikationsbezüge, die sich zwischen den Werken und ihren Betrachter_innen, innerhalb des versammelten Publikums und in der Interaktion der Werke selbst entfalten. Ein Rückblick auf frühe Momente der Ausstellungsgeschichte unterstreicht die Vielschichtigkeit dieser „Konversationen“ und die Diversität der damit verbundenen fragilen und instabilen Logiken der Ausstellung, der Sammlung und des Museums, die sich unter anderem in deren unterschiedlichen Geschichtsbezügen zeigen.

 

Eva Kernbauer ist Professorin für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien. Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien und der Freien Universität Berlin. 2007 Promotion an der Universität Trier zur Konzeption des Kunstpublikums im 18. Jahrhundert. 2008 bis 2010 Assistentin für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart an der Universität Bern, anschließend Habilitationsstipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum Thema „Geschichtsbilder der Gegenwart“. Aktuelle Forschung zur Geschichtlichkeit der Gegenwartskunst, zu Skulptur und Installation seit den 1960er Jahren und zur Materialität von Film- und Videoinstallationen.

 

17:45 Uhr

Kathrin Busch

Bild – Berührung – Exposition

Vortrag

 

Die Verlagerung vom Kultwert zum Ausstellungswert, die Benjamin in ihren Folgen für den Kunstbegriff behauptet hat, meint zunächst nichts anderes als eine Profanierung der Kunst. Die Geste solcher Profanierung ist die Berührung. Sie führt zu einem anderen Bildgebrauch. Während sich das klassische Bildverständnis der Malerei im Motiv des ‚Noli me tangere’ reflektiert, zeigt sich der neue Umgang mit den Bildern in ihrer Handhabung, in ihrer Montage, Anordnung und Konstellation. Diese Verfahren dienen nach Benjamin dem Erkennen. Der Vortrag will der Verschiebung hin zum taktilen Bildgebrauch nachgehen und danach fragen, ob und wie sich Ausstellungen heute als Milieu eines kuratorischen Forschens diesem profanierten Bildgebrauch verschreiben.

 

Kathrin Busch ist Professorin an der Universität der Künste Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören französische Gegenwartsphilosophie, Ästhetik und künstlerische Forschung. Publikationen (u. a.): Geschicktes Geben. Aporien der Gabe bei Jacques Derrida, München: Wilhelm Fink Verlag, 2004; On Artistic Research. AS – a visual culture quarterly 179 (2007), hg. mit Dieter Lesage; Bildtheorien aus Frankreich. Ein Handbuch, hg. mit Iris Därmann, München: Wilhelm Fink Verlag, 2011; P – Passivität, Hamburg: Textem, 2012.

 

18:30 Uhr

Gregor Stemmrich

Ökonomien der Aufmerksamkeit

Vortrag

 

Die Frage nach dem „Wert des Ausstellens“ bezieht sich nicht primär auf Weisen des Ausstellens und Arten von Ausstellungen sondern auf das Ausstellen als solches. Ausstellen ist eine Weise des Präsentierens. Auch Kulturen, die das Format der Ausstellung nicht entwickelt haben, kennen Weisen des Präsentierens. Der Vortrag fokussiert darauf, dass Kunst per se mit der Struktur von Präsentation befasst ist, dass aber die Struktur von Präsentation nicht mit der Struktur von Ausstellungen gleichzusetzen ist. Da das Ausstellen jedoch eine Weise des Präsentierens ist, ist eine Unschärfe, Perspektivierung und Überdetermination zu konstatieren. Diese lässt sich unter dem Titel der „Ökonomien der Aufmerksamkeit“ diskutieren. Die Wertfrage wird ausgehend von Walter Benjamins Begriff des „Ausstellungswerts“ entwickelt.

 

Gregor Stemmrich ist Professor für Kunstgeschichte des 20./21. Jahrhunderts an der Freien Universität Berlin. Er konzipierte das Modul Kunst und Kinematografie für das Medien Kunst Netz (www.mediaartnet.org). Publikationen (u. a.): Minimal Art. Eine kritische Retrospektive, Dresden: Verlag der Kunst, 1995; Jeff Wall. Szenarien im Bildraum der Wirklichkeit, Dresden: Verlag der Kunst, 1997; Kunst/Kino, Jahresring 48, Jahrbuch für moderne Kunst, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2001; Having been said – Writings and Interviews of Lawrence Weiner 1968–2003 /Gefragt und gesagt – Schriften und Interviews von Lawrence Weiner 1968–2003, hg. mit Gerti Fietzek, Ostfildern: Hatje Cantz, 2004; Dan Graham, Köln: DuMont, 2008; Kunst als Verhör. Robert Morris: Hearing, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2009/Robert Morris: Hearing, Leipzig: Spector Books, 2012.

 

19:15−20 Uhr
Podiumsdiskussion mit allen Teilnehmenden
Moderation: Helmut Draxler

 

Helmut Draxler ist Kunsthistoriker und Kulturtheoretiker. Von 1992 bis 1995 war er Direktor des Kunstvereins in München, von 1999 bis 2012 Professor für Ästhetische Theorie an der Merz Akademie in Stuttgart. Seit Januar 2013 ist er Professor für Kunsttheorie und Kunstvermittlung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Derzeitige Forschungsschwerpunkte sind eine Theorie der Vermittlung sowie das Denken von Geschichte in den Historiographien moderner und zeitgenössischer Kunst. Publikationen (u. a.): Gefährliche Substanzen. Zum Verhältnis von Kritik und Kunst, Berlin: b-books, 2007; Die Gewalt des Zusammenhangs. Raum, Referenz und Repräsentation bei Fareed Armaly, Berlin: b-books, 2007; Film, Avantgarde, Biopolitik, mit Sabeth Buchmann und Stephan Geene, Wien: Schlebrügge Editor, 2009. In Kürze erscheint: Theorien der Passivität, hg. mit Kathrin Busch, München: Wilhelm Fink Verlag.

 

Eintritt frei