Physiognomie der Macht

Harun Farocki & Florentina Pakosta

Ausstellungsdauer: 8. Dezember 2020 – 24. Mai 2021
Ausstellungsort: Mönchsberg [1]

Die Ausstellung Physiognomie der Macht stellt das Werk des deutschen Filmemachers Harun Farocki und der österreichischen Grafikerin und Malerin Florentina Pakosta einander gegenüber. Während Farocki zu den wichtigsten Dokumentarfilmern und Medienkünstlern Deutschlands seit den 1970er-Jahren zählt, ist Pakosta eine der zentralen Figuren der feministischen Avantgarde in Österreich. Die beiden Künstler_innen stehen für einen Realismus, der sich aus den spezifischen Themen und Anliegen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts speist. So unterschiedlich die Medien bei Farocki und Pakosta auch sind, so sprechen ihre Arbeiten durch die zutiefst politische Dimension doch vergleichbare Sprachen. Im Mittelpunkt stehen dabei oftmals Formen von Machtausübung und Machterfahrung.

Farocki war ein akribischer Beobachter und Analytiker der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. In den Student_innenprotesten der späten 1960er-Jahre politisiert, entwickelte er einen gleichermaßen dokumentarischen und essayistischen Stil, in dem er eigene Filmaufnahmen mit Bildern aus anderen Quellen, wie Massenmedien und Überwachungssystemen, verknüpfte. Er war insbesondere an jenen Ordnungsprinzipien interessiert, durch die eine Gesellschaft strukturelle Gewalt ausübt. So fragen seine Arbeiten nach den Auswirkungen totalitärer Überwachungs- und Kontrollsysteme, nach dem Alltag in einer von der kapitalistischen Logik durchdrungenen Lebens- und Arbeitswelt und nach der zunehmend komplexen Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Farocki forschte dabei stets auch nach der Rolle, die das Bild innerhalb von Herrschaftsverhältnissen einnimmt. Seine Werke machen sichtbar, wie Bilder in Dienst genommen werden, sei es durch Überwachung, technisch-militärische und zivile Bildanalysen oder durch Fernsehen und Werbung. Die Ausstellung präsentiert sechs zentrale Arbeiten von Farocki aus der Sammlung Generali Foundation, darunter die Doppelprojektion Ich glaubte Gefangene zu sehen (2000) und die Trilogie Auge/Maschine I–III (2001–2003).

Pakosta war in jungen Jahren damit konfrontiert, dass Frauen in Kunstwelt, Wirtschaft und Politik nur Nebenrollen spielten. Sie begann mit intensiven zeichnerischen Porträtstudien, in denen sie nicht nur ihre eigene Existenz, sondern auf kritische Weise auch das männliche Antlitz der Macht analysierte, das sich ihr gegenüberstellte. Darüber hinaus entwarf Pakosta scharfsichtige, satirische Bildfindungen, in denen sie patriarchale Herrschafts- und Gewaltverhältnisse thematisierte. Ab den späten 1980er-Jahren beschäftigte sie sich mit der überbordenden Konsum- und Warenwelt und wendete sich schließlich überraschend einer neuen Bildsprache zu: einer assoziativen Sprache der geometrischen Abstraktion, die sie politisch interpretiert. Die Ausstellung präsentiert einen fünfzig Jahre umspannenden Einblick in ihr Werk. Erstmalig werden in größerem Umfang Arbeiten von Pakosta gezeigt, die sich in der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg befinden, komplettiert durch wichtige Leihgaben der Künstlerin und weiterer Sammlungen.

Die Gegenüberstellung des Werks von Harun Farocki und Florentina Pakosta würdigt zwei Persönlichkeiten, deren Denken von einem sozialkritischen Realismus geprägt ist. Die Ausstellung stellt einen lebendigen Dialog zwischen ihren Arbeiten her und setzt dabei auch die oft scharf voneinander abgegrenzten Medien Film und Video einerseits und Zeichnung und Malerei andererseits zueinander in Beziehung.

Kurator: Jürgen Tabor

Harun Farocki, Ich glaubte Gefangene zu sehen, 2000; Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg; Foto: Harun Farocki
Florentina Pakosta, Fleischwolfmund, 1979; Museum der Moderne Salzburg; Foto: Hubert Auer / Bildrecht, Wien 2020
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