In Real Life

Lebensrealitäten im Fotobuch

Ausstellungsdauer: 26. September 2020 – 14. Februar 2021
Ausstellungsort: Rupertinum [3] – Generali Foundation Studienzentrum

„Endlich treffen wir uns IRL!“ Sätze wie dieser aus der (Post-)Corona-Zeit verweisen auf das Bedürfnis nach dem echten Leben. Das Chatkürzel IRL (In Real Life) steht für das Versprechen, dass hinter dem digitalen Leben das greifbare, „richtige“ Leben wartet. Oftmals ist das aber eine Realität voller Härten und Widersprüchlichkeiten. Diese Komplexität gesellschaftlicher Verhältnisse hat auch Fotograf*innen stets besonders bewegt. In ihrer Auseinandersetzung mit sozialen Fragen und mit Milieus, die nicht selten an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, agieren sie zugleich als Forscher*innen und Kritiker*innen, Journalist*innen und Künstler*innen. Das Fotobuch als eigenständiges Medium ist besonders dafür geeignet, diese Inhalte zu transportieren, weist es doch über das einzelne Bild hinaus. Es präsentiert Fotos in Sequenzen und arbeitet oft mit einer eigens konzipierten Kombination von Bildern und Texten. Zugleich spielt es mit den Möglichkeiten des Mediums und entwirft Formen der Narration, die mehr sind als illustrierte Geschichten.

Die Autor*innen der in der Ausstellung präsentierten Fotobücher vereint ein gemeinsamer Ansatz: Sie nähern sich den gesellschaftlichen Gruppen, Schichten und Umgebungen, die sie untersuchen, unmittelbar an, involvieren sich als Sympathisant*innen oder Kritiker*innen und agieren bisweilen wie Ethnograf*innen als teilnehmende Beobachter*innen. Zugleich fragen sie danach, wie sich Lebensrealitäten überhaupt in das Medium Fotobuch übersetzen lassen: Sie arbeiten mit Bildgegenüberstellungen, um Spielräume für Interpretationen zu eröffnen; sie nutzen Verflechtungen von Text, Ton und Bild oder spielen mit der Materialität des Buches, um sich an ihr Sujet heranzutasten; sie beziehen genau jene Personen mit ein, um die es eigentlich geht, und machen deren eigenen Blick auf ihr Leben sichtbar; und nicht zuletzt zeigen sie, dass das Fotobuch das reale Leben umkreisen, jedoch niemals vollständig einfangen kann.

Mit Fotobüchern von: Bill Brandt, Nicolò Degiorgis, Rena Effendi, LaToya Ruby Frazier, Allan Sekula, Emine Gözde Sevim, Maria Sturm & Cemre Yeşil, Stephen Willats

Kurator*innen: Stefanie Grünangerl und Jürgen Tabor

Allan Sekula, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, aus: Aerospace Folktales, 1973, Foto-Audio-Installation © Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg, Foto: Allan Sekula
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