Designs für die wirkliche Welt

Publikation zur Ausstellung

Sabine Breitwieser (Hg.) für die Generali Foundation, Wien 2002.
Vorwort von Dietrich Karner, Einleitung von Sabine Breitwieser, Texte von Azra Aksamija, Marjetica Potrc, Florian Pumhösl und Krzysztof Wodiczko. 

Dt./engl., 320 Seiten, 118 Farb- und 44 s/w- Abbildungen, Softcover.

Die Publikation versammelt exemplarisch Projekte von vier KünstlerInnen und ArchitektInnen, die sich mit der Gestaltung unserer Lebenswelt auseinander setzen und sich besonders durch ihren interdisziplinären Zugang auszeichnen. Utopisches oder ökologisches Design, Design für die Dritte Welt, „Social Engineering“, Stadtentwicklung, urbane Konfliktstellen und die Frage nach der Verantwortung der Kunst in einer „New Genre Public Art“ werden in den jeweiligen Projekten in unterschiedlicher Weise thematisiert.

Am Beispiel des „Arizona Marktes“, des größten Schwarzmarktes auf dem Balkan, analysiert und visu-alisiert Azra Aksamija (österreichische Architektin, geb. 1976 in Bosnien) urbane Phänomene. Gewachsen entlang der Nord-Süd-Verkehrsachse in Nordbosnien, die von den amerikanischen SFOR-Soldaten „Arizona Road“ benannt wurde, offenbart der Markt neue politische, soziale, wirtschaftliche sowie urbane Zustände, die als Folge des Krieges entstanden sind. 

Als Architektin und bildende Künstlerin ausgebildet, beschäftigt sich Marjetica Potrc (geb. 1953 in Slowenien) mit der kontinuierlichen Veränderung der Stadt und dem Dialog zwischen geplant und unreguliert entstandenen Vierteln, u.a. mit den ständig wachsenden Armensiedlungen. Gleich einer „urbanen Anthropo-login“ untersucht sie Einzelinitiativen aus unterschiedlichen geografischen und sozialen Bereichen, die High-tech-Probleme mit Lowtech-Lösungen bewältigen.

Florian Pumhösl (geb. 1971 in Österreich), rekonstruierte u.a. Entwürfe des Designers Victor Papanek, der in den sechziger Jahren mit „Design for the Real World“ eine bahnbrechende Publikation zu Fragen der Gestaltung in Zusammenhang mit Ökologie und sozialer Verantwortung verfasst hat. Durch die „Re-Lektüre“ dieses Klassikers wird erkennbar, was von den Konzepten inzwischen in Massenproduktionen vermarktet wird. Die modellhaften Rekonstruktionen verdeutlichen sich zudem als Medium für den Ideen- und Ideologie-transport eines derartigen Designbegriffes. 

Seit den siebziger Jahren entwickelt Krzysztof Wodiczko (geb. 1943 in Polen, lebt in den USA), der auf eine Ausbildung und Praxis als Industrial Designer zurückblicken kann, sog. „Vehikel“, in welchen Funktionen wie Mobilität und Kommunikation oder Mobilität und Schutz vereint sind. In der „Xenology“-Serie (seit 1992) entwickelte er Apparaturen, die zur Benutzung durch MigrantInnen konzipiert sind und diese in ihrer Präsenz und Kommunikation unterstützen. Wodiczko ist auch durch seine Großprojektionen auf öffentlichen Gebäu-den bekannt, mit denen er diesen bestimmte politische Inhalte zuweist.