SAMMLUNG

Begleitprogramm

Do 24. Mai 2007, 19 Uhr
Florian Pumhösl
Casa Modernista, Rua Santa Cruz, São Paulo, 1927
Vortrag zur Filminstallation "Programm", 2006
Filmvorführung "Animated Map", 2006

Im Rahmen der zeitgenössischen Neupositionierung nicht-westlicher historischer Avantgarden stellten die modernen Bewegungen in Brasiliens Städten einen besonders komplexen Gesamtzusammenhang dar. Obwohl die brasilianischen Avantgarden in Kunst und Architektur seit den 1940er Jahren - beginnend mit Ausstellungen wie Philip Goodwins unerwarteter Erfolgsausstellung „Brazil Builds“, die 1942 im Moma stattfand, bis zu ihrer "Wiederentdeckung" im Zuge des Tropicalismusrevivals seit den 1990er Jahren – einen Aufschwung erlebte, ist deren Vorgeschichte weit weniger  geläufig. Der Vortrag von Florian Pumhösl stellt KünstlerInnen, Filmausschnitte und Architektur aus diesem Gründungsszenario vor, die für die Arbeit der in der Ausstellung gezeigten in São Paulo gedrehten Filminstallation "Programm" wichtige Anhaltspunkte waren.

Mi 30. Mai 2007, 19 bis 21 Uhr, Österreichisches Filmmuseum
VALIE EXPORT
Live-Aufführung von "Expanded Cinema" Arbeiten 1967–73
Österreichisches Filmmuseum, sixpackfilm, Wiener Festwochen in Kooperation mit Generali Foundation, im Rahmen der Retrospektive "VALIE EXPORT. Film & Video", 18. bis 31. Mai 2007 (Reguläre Eintrittspreise Filmmuseum)

Mitte der 1990er erwarb die Generali Foundation das filmische Frühwerk von VALIE EXPORT und zeigte dieses erstmals im Rahmen der Ausstellung „White Cube/Black Box“ 1996. Dieser Werkgruppe, die immer wieder auch als Leihgaben an wichtigen internationalen Institutionen präsentiert wird, widmet das Wiener Filmmuseum im Rahmen der Retrospektive „VALIE EXPORT. Film & Video“ einen speziellen Expanded Cinema Abend. In der aktuellen Ausstellung der Generali Foundation werden ebenfalls wichtige frühe Arbeiten der Künstlerin gezeigt, darunter das legendäre TAPP- und TASTKINO (1968).

Do 31. Mai 2007, 19 Uhr
Dorit Margreiter
A Cinematographic Entertainment
Sabeth Buchmann
, Kunsttheoretikerin
Gespräch mit der Künstlerin

Fr 15. Juni 2007, 10 bis 20 Uhr
Karlstag
14 bis 17 Uhr: Kurzführungen durch die Ausstellung
15 Uhr: Materialkunde und Restaurierungstipps

Do 21. Juni 2007, 19 Uhr
Dekonfigurationen der Gemeinschaft. 
Mathias Polednas "Version"

Juliane Rebentisch, Philosophin, Kunstkritikerin, Vortrag
Filmvorführung Mathias Poledna, "Sufferers’ Version", 2004

Do 28. Juni 2007, 19 Uhr
Klub Zwei (Simone Bader/Jo Schmeiser) präsentieren 
erstmals in Wien zwei neue Filme:

Phaidon. Verlage im Exil, 2006

Video, Farbe, Ton, (Deutsch und Englisch), ca. 22 min 
Interviews mit Elly Miller, Kunstverlegerin, London, und Tamar Wang, Autorin und Herausgeberin, London, Tochter bzw. Enkelin von Béla Horovitz, Verleger und Mitbegründer des Phaidon Verlags
Kamera: Anita Makris, Daniel Pöhacker
Interview mit Ursula Seeber, Österreichische Exilbibliothek, Wien
Kamera: Klub Zwei

„Phaidon. Verlage im Exil“ thematisiert die Geschichte des Phaidon Verlags. Der jüdische Verleger Béla Horovitz rettete den Verlag vor der “Arisierung” und emigrierte mit ihm nach London. Interviewt werden Elly Miller, Béla Horovitz’ Tochter, Kunstverlegerin, seine Enkelin Tamar Wang , Herausgeberin, und Ursula Seeber, Leiterin der östereichischen Exilbibliothek.

Response Ability. Wie gehen die Nachkommen der TäterInnen mit ihrer Geschichte um?, 2006

Video, Farbe, Ton, ca. 33 min.
Kamera: Anita Makris
Interviews mit Katherine Klinger und Ruth Sands, Institute of Contemporary History & Wiener Library, London

Wie sehen Nachkommen Jüdischer EmigrantInnen und Überlebender die Stadt Wien? Vertreibung und Vernichtung haben sich unrevidierbar in die Stadt eingeschrieben. Zu Wort kommen Katherine Klinger und Ruth Sands, die am Institute of Contemporary History & Wiener Library London arbeiten, sowie Hannah Fröhlich, die in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien tätig ist.

 

Do 5. Juli 2007, 19 Uhr
David Lamelas, "The Desert People", 1974

Film, 16mm, Farbe, Ton, 50 min, englisch

Regisseur, Produzent, Drehbuch: David Lamelas, Co-Produzent: Jack Wendler Produktions-Assistenz: Howard E. Lester, Fotografie: Neil Reichline, Kameraassistent: Johny Sharaf, Schnitt: Noel Cronin, Ton: Vince Dyer

The Desert People basiert auf der Idee eines Films, der aus zwei voneinander völlig unabhängigen Erzählsträngen besteht und klassische Filmgenres benutzt: beginnend im Stil eines ‚Road Movie‘ wechselt der Film im Folgenden zwischen Interviews mit dokumentarischem Charakter, in denen fünf Menschen von ihren Erlebnissen in einem Indianerreservat berichten und den Bildern einer endlosen, in lakonischer Stimmung verbrachten Autofahrt. In der Kombination dieser beiden Erzählstränge löst David Lamelas die narrative Kontinuität der Filmentwicklung auf.

John, Anthropologe, analysiert das politische und gesellschaftliche System im Reservat während Carol, Studentin, die sozialen und zwischenmenschlichen Umgangsweisen reflektiert. Chris, Journalistin, schreibt für eine Frauenzeitschrift über ‚Indianische Frauen in der zeitgenössischen indianischen Gesellschaft‘. Ohne wirkliches Interesse für die Problematik des Reservats ist allein Michael in der Lage, das Verhalten der Gruppe im Reservat zu reflektieren. Der Film beginnt ins Irreale zu tendieren während Manny, ein Papago-lndianer, der die Gruppe zu seinem Stamm führte und der in einem wüstenähnlichen Gebiet gezeigt wird, über den kulturellen Untergang seines Volkes durch mexikanische und amerikanische Einflüsse berichtet. Dabei wechselt er von Englisch nach Spanisch und endet in Papago. Dieser Ebene des Verständnisses beraubt, an einem Ort ohne Wiedererkennen, wird eine Ausweglosigkeit erzeugt, die am Ende in der zweiten Filmhandlung zu dem völlig überraschenden Absturz des Autos und seiner Insassen von einem Felsen führt.

(Heike Ander in: David Lamelas. A new refutation of time. München/Rotterdam 1997.)

 

"Bei meinem ersten Besuch der Vereinigten Staaten war ich in Los Angeles, wo ich unmittelbar den Schock der Begegnung mit amerikanischer Kultur erlebte. Damals empfand ich diese Hassliebe für amerikanische Kultur. Ich kam in L.A. an, kannte keine Menschenseele und wollte einen Film machen, also verbrachte ich die Tage damit, mit einer Menge Leuten über mein Filmprojekt zu diskutieren, und die Nächte, Kinofilme im Fernsehen anzusehen. Ich studierte den amerikanischen Film mit Hilfe des Fernsehens. Es war, als ginge ich wieder auf die Kunstakademie. The Desert People ist eine Art Untersuchung des amerikanischen Films. Tatsächlich war der Arbeitsprozess genauso interessant wie der Film selbst, denn ich benahm mich wie ein Regisseur und wurde so zu einem Regisseur, sehr ähnlich wie bei Rock Star (Character Appropriation)."

(David Lamelas)