Martha Rosler

Positionen in der Lebenswelt

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Martha Rosler. Positionen in der Lebenswelt, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Eröffnung: 11. Mai 1999, 19 Uhr

12. Mai bis 8. August 1999

Ausstellungsort: Generali Foundation, Wien 4, Wiedner Hauptstraße 15

 

Die Generali Foundation zeigt erstmals einen Überblick über das vielfältige Werk der nordamerikanischen Künstlerin Martha Rosler, das seit den 1990er Jahren für die jüngere Generation großen Einfluss gewonnen hat. Eigens für Wien realisierte Martha Rosler die Installation “Flohmarkt“ nach einem Konzept aus dem Jahr 1973. Der Originaltitel des Projekts lautet "Monumental Garage Sale", und fand in der Art Gallery der University of California, San Diego, statt.
 

Seit Ende der 1960er Jahre nimmt Martha Rosler in beißend-kritischen aber auch humorvollen künstlerischen Arbeiten zu aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen Stellung. Mit ihrem Blick auf die alltäglichen Dinge des Lebens dekonstruiert sie Schicht für Schicht die “Mythen des Alltags”. Rosler hat einflussreiche Arbeiten in den Bereichen Fotografie, Installation, Performance, Video, Textarbeiten sowie als Autorin kritischer und theoretischer Aufsätze geschaffen. Sie ist keinem speziellen Medium verhaftet und arbeitet mit den Methoden und Strategien, die ihr für die jeweilige Thematik adäquat erscheinen. Martha Rosler ist es ein besonderes Anliegen, über den Kreis professionell Kunstinteressierter hinaus, ein breites Publikum zu erreichen. Sie verwendet in ihren Werken daher ganz bewusst eine Sprache, mit der viele vertraut sind, und scheut dabei auch die Burleske nicht. Viele Ihrer Werke haben persönlichen, anekdotischen Charakter ­ offen bleibt, ob der Hintergrund autobiografisch oder fiktiv ist. Für Martha Rosler hat ein künstlerisches Werk dann Aussicht auf Resonanz, wenn es das Verhältnis zwischen direkter Erfahrung und den Umständen, die diese verursachen und vermitteln, sichtbar macht.
 

Ihre scharfen Analysen und ihren trockenen Humor hat Rosler insbesondere auf die Rolle der Massenmedien, und hier vor allem im Krieg, gerichtet. In der Serie der inzwischen legendären Fotomontagen “Bringing the War Home: House Beautiful” beziehungsweise “Bringing the War Home: In Vietnam” (1967-72) hat Rosler ihren Unmut über die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg artikuliert. In Abbildungen von Wohnräumen aus “Schöner Wohnen” montierte sie Kriegsszenen aus dem “Life-Magazine” und anderen Zeitschriften, respektive in Szenen aus Vietnam Bilder aus den USA. Diese Fotomontagen wurden von Rosler ohne weiteren Kommentar in kalifornischen alternativen Zeitschriften veröffentlicht. Mit diesen manipulierten Szenerien wollte sie eine Reflexion über die tatsächliche Erfahrung des Krieges im Ausland, und wie dieser zu Hause vor den Fernsehapparaten oder aus Zeitungen erlebt wird, evozieren.
 

Martha Rosler hat sich in ihrer Arbeit stets kritisch zur Positionierung der Frau in der Gesellschaft geäußert. In einer weiteren Serie von Fotomontagen mit dem Titel “Beauty Knows No Pain or Body Beautiful” (1965-74) kritisiert sie die Darstellung der Frau in den Medien als Symbol für Sexualität und den Warenkreislauf sowie die Zuweisung bestimmter Attribute, wie Häuslichkeit oder Emotionen. Unter dem Einfluss der Frauenbewegung hat Rosler begonnen, mit Performance zu arbeiten. In “Monumental Garage Sale” (1973), einer Multimedia-Installation und Performance, hat sich die Künstlerin – zum ersten Mal als Person physisch involviert – mit der Konstruktion und Repräsentation des (weiblichen) Selbst beschäftigt. In einer Reihe von weiteren (Video)Performances wie z. B. “Vital Statistics of a Citizen, Simply Obtained” (1973) “Semiotics of the Kitchen” (1975) oder “Martha Rosler Reads Vogue” (1982), um nur die bekanntesten zu nennen, hat dies Kontinuität erfahren.
 

Mitte der 1970er Jahre sind die ersten seriellen Postkartenromane entstanden, in denen Rosler ausschließlich Text als Träger ihrer Botschaften verwendet. Diese Romane erzählen kurze, persönliche Geschichten, die aus der eigenen Erfahrung Roslers, der von Bekannten und aus anderen Quellen gespeist sind. In diesen Anekdoten werden überwiegend feministische Themen behandelt und dabei spezifische soziale Schichten charakterisiert. In einzelne Kapitel unterteilt, wurden diese Geschichten in Abständen von ca. einer Woche an bestimmte Personen versandt. Roslers Hintergrund ist neben der bildenden Kunst die Literatur. Seit sie begonnen hat, mit Performance und Video zu arbeiten, gibt es kaum ein Werk von ihr, zu dem nicht offiziell ein Manuskript oder ein begleitender Text existiert, oder das nicht ohnehin eine Textarbeit ist. Schreiben ist für Martha Rosler eine Möglichkeit, sich unmittelbar und direkt einzubringen, eine Form, die sich ihrer Ansicht nach nicht so sehr von ihrem visuellen Werk unterscheidet.
 

In den Postkartenromanen taucht auch erstmals Nahrung als Thema auf, das schließlich eine Schlüsselrolle im Werk der Künstlerin einnimmt. Für Martha Rosler stellt die Auseinandersetzung mit diesem Thema eine Möglichkeit dar, soziale und wirtschaftliche Hintergründe zu verstehen. In einer Reihe ihrer Arbeiten wird das Verhältnis von Nahrung und Frauen, die traditionell für die Produktion von die Zubereitung des Essens und Ernährung im allgemeinen zuständig sind, untersucht. Im Postkartenroman und im späteren gleichnamigen Video “A budding gourmet” (1974) erzählt eine Frau, wie sie sich von der hohen Kunst des Kochens, durch die Produktion und den Konsum von Gourmet- und exotischer Küche, eine Verbesserung ihres Lebens erhofft. In “Tijuana Maid” (1975) wird Kochen aus der Position einer mexikanischen Mutter zweier Kinder, die in den USA illegal als Haushälterin arbeiten muss, betrachtet. In “Losing” (1977) behandelt Rosler den Fall eines an Magersucht verstorbenen Mädchens ­ und wie Nahrung als Druckmittel gegenüber der engeren Umwelt oder als wirtschaftspolitische Waffe eingesetzt werden kann.
 

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Werk von Martha Rosler ist die kritische Auseinandersetzung mit den urbanen Strukturen, in denen wir leben: mit Städten, Flughäfen, der Straße und dem Auto, als den Orten unserer täglichen Erfahrung, sowie ihrer sozialen Implikation. Schon Mitte der 1970er Jahre hat Rosler in der bekannten Foto-Text-Installation “The Bowery in two inadequate descriptive systems” (1974-75) die Rolle und die Repräsentationmodi von Dokumentarfotografie hinterfragt, indem sie die direkte Menschendarstellung vermied. Aufnahmen leerstehender Geschäftslokale der Bowery, einer von Obdachlosen bevölkerten Straße in New York, Manhattan, sind darin fotografierten Texten, einer “Poesie der Trunkenheit” gegenübergestellte. In den Fotoserien der letzten Jahre, “Transitions and Digressions” (1981-97), “Rights of Passage” (seit 1993) und in der Foto-Text-Installation “In the Place of the Public” (1990) hat Rosler diese Themen weiter verfolgt. In dem von Martha Rosler 1989 in der Dia Art Foundation in New York kuratierten, sechs Monate dauernden Projekt “If You Lived Here...” wurden in drei Gruppenausstellungen, verschiedenen Diskussionsrunden in Verbindung mit Film- und Videovorführungen, Lesungen etc. Themen wie Obdachlosigkeit, Architektur, Stadtplanung u.a.m. behandelt.
 

In Zusammenhang mit diesem Projekt ist neben allen Videos von Martha Rosler eines ihrer zentralen Werke, die Foto-Text-Installation "The Bowery in two inadequate descriptive systems" (1974-75) für die Sammlung der Generali Foundation erworben worden.
 

Die Ausstellung wurde neben Österreich auch in der England (Ikon Gallery, Birmingham), Frankreich (Institut d’art contemporain, Villeurbanne-Lyon) Spanien (Museu d’Art Contemporani, Barcelona) und den USA (New Museum of Contemporary Art gemeinsam mit dem International Center of Photographie in New York) gezeigt und wurde mit der Ikon Gallery, Birmingham, co-organisiert und von der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts unterstützt.
 

Kuratorin: Sabine Breitwieser
Mitarbeit: Hemma Schmutz