Einblicke in die Sammlung

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Ausstellungsansicht: Einblicke in die Sammlung, 1999 © Generali Foundation. Foto: Werner Kaligofsky

Eröffnung: 23. September 1999, 19 Uhr

24. September bis 19. Dezember 1999

Ausstellungsort: Generali Foundation, Wien 4, Wiedner Hauptstraße 15


In dieser Ausstellung mit Werken aus der internationalen Sammlung der Generali Foundation ist ein repräsentativer Überblick über die Ankäufe der letzten Jahre zu sehen, wobei das eine oder andere zentrale Werk, das schon länger zur Sammlung gehört, ebenfalls einbezogen ist. Die Sammeltätigkeit der Generali Foundation erfolgt im Dialog mit den Ausstellungen. Einige der Werke in der Sammlungspräsentation sind daher aus vorhergehenden Ausstellungen bekannt und werden im Kontext der Sammlung in Erinnerung gerufen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der gezeigten Werke ist in Wien zum ersten Mal zu sehen.

 

Die Ausstellung ist nach thematischen Gesichtspunkten aufgebaut und lebt von den Bezügen, die zwischen den unterschiedlichen Werken hergestellt werden. Den Schwerpunkt bilden konzeptuelle und performative Aspekte, der Bereich des Crossovers zu Architektur und Design sowie künstlerische Positionen, welche die Rolle der Medien und gesellschaftliche Parameter kritisch hinterfragen. Aufgrund der umfangreichen Videosammlung und des in die Sammlung konzeptuell integrierten Archivs nimmt der Studienraum, in dem diese Bereiche zugänglich sind, bei dieser Ausstellung einen besonderen Stellenwert ein.

 

Gezeigt werden Werke von durchwegs international renommierten KünstlerInnen wie Gottfried Bechtold, Carola Dertnig, VALIE EXPORT, Andrea Fraser, Rainer Ganahl, Isa Genzken, Bruno Gironcoli, Dan Graham, Hans Hollein, Mary Kelly, Dorit Margreiter, Gordon Matta-Clark, Walter Pichler, Mathias Poledna, Martha Rosler, Gerhard Rühm, Franz West und Heimo Zobernig. Viele davon sind mit größeren Werkgruppen als Schwerpunkte in der Sammlung vertreten.

 

Performative Aspekte der Skulptur bzw. die Thematik Körper/Architektur/medialer und sozialer Raum werden in der Ausstellung von einer Gruppe zentraler Werke der österreichischen Avantgarde repräsentiert, darunter einige von internationaler Bedeutung. Das "Tapp und Tast Kino" (1968), die legendäre Expanded Cinema Aktion von VALIE EXPORT, ist seit kurzem als einzigartige Dokumentation exklusiv im Besitz der Generali Foundation und wird durch originalgetreue Rekonstruktionen des ersten und zweiten "Tapp und Tast Kinos" sowie mittels historischer Texte, Fotografien und einem Video der Aktion in München erstmals ausführlich dokumentiert. Im Kontext der Sammlung wird ebenfalls erstmals "Das mobile Büro" (1969) von Hans Hollein, ein pneumatischer Raum, der als ein "Im Koffer zu transportierendes Atelier" konzipiert ist, präsentiert. Als kleine Auswahl aus der Gruppe der Prototypen von Walter Pichler, die sich in der Sammlung befinden, sind der "TV-Helm" und der "Kleine Raum" (beide 1967), die zwei zentralen und wohl meistzitierten Werke dieser Periode, zu sehen. Von Franz West - ein großer Teil seiner Werkgruppe ist in der letzten Sammlungspräsentation ausgestellt worden - werden die "Studien zu ernster Musik" gezeigt, Videofilme (1986-88), in denen authentisch der Gebrauch der Passstücke demonstriert wird. Eine große Serie von Siebdrucken aus den frühen 1970er Jahren vermittelt den Formenkanon der frühen Skulpturen von Bruno Gironcoli, die wichtigsten davon befinden sich in der Sammlung der Generali Foundation und sind immer wieder ausgestellt worden.

 

Dieser Gruppe stehen eine Reihe internationaler Positionen gegenüber. Mit einer Auswahl seiner "favourite" Videos, von Architektur über Kunst bis Pop, hat Dan Graham seinen Videoschauraum, "New Design for Showing Videos" (1995) für diese Sammlungsausstellung in einen neuen Zusammenhang gestellt. Eine größere Fotoserie von "Suburban Houses" (1963-85), Grundlage seines legendären Foto-Text-Artikels "Homes for America" (1966/67), ist schon längere Zeit in der Sammlung und wird nunmehr erstmals in Österreich gezeigt. Ebenfalls als Österreich-Premiere ist die sechsteilige Foto-Text-Arbeit "Private Public Spaces: The Corporate Atrium Gardens" (1987) zu sehen, in welcher Graham zusammen mit der Architektin Robin Hurst das Spannungsfeld von Stadt und Natur am Beispiel von in den 1980er Jahren in New York angelegten halböffentlichen Gärten in Firmenlobbies analysiert. Schon vor längerer Zeit sind Gordon Matta-Clark‘s "Window Blow Out" (1973) sowie "Reality Properties, Fake Estates" (1973) erworben worden, zwei zentrale Werke, in welchen die sozialkritische Position und konzeptuelle Praxis des Künstlers dokumentiert wird. Beide Werke sind, so wie der Videoraum von Dan Graham, auf der letzten Documenta X als Leihgabe der Generali Foundation zu sehen gewesen und werden nun zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Sammlung in unseren Räumlichkeiten gezeigt. Von Isa Genzken wird die große zweiteilige Skulptur "Bismarckstraße" (1994), zwei Raum hohe Fenster aus Epoxidharz, als kleine Auswahl ihres Sammlungsblocks ausgestellt.

 

"The Bowery in two inadequate descriptive systems" (1974-76) von Martha Rosler fungiert in der Ausstellung als Bruchstelle bzw. Bindeglied von Architektur, sozialem Raum und Text. Die in der vorhergehenden Rosler-Personale bereits gezeigte Foto-Text Installation wird von einer großen Gruppe von Typocollagen und Fotomontagen aus den 1950er Jahren von Gerhard Rühm flankiert. Mit Rainer Ganahl wird Rühm, ein Vertreter der jüngere Generation, der sich anhand von "Lernen" mit Sprache/Text sowie der Dokumentation dieser Abläufe und des institutionellen Rahmens auseinandersetzt, zur Seite gestellt. Dokumentation in Bild und Text ist auch die künstlerische Praxis von Mary Kelly für ihr legendäres "Post Partum Document" (1973-78), in dem exemplarisch die wechselseitige Sozialisation von Mutter und Kind untersucht wird und das mit Protoypen der Dokumentation I in der Sammlung vertreten ist. Als Ersatz für dieses Werk, das zeitgleich als Leihgabe für eine Ausstellung im Whitney Museum zur Verfügung gestellt worden ist, werden Protoypen zur Einführung sowie zur Dokumentation II gezeigt. Zu sehen sind auch die Fotografien der "Primapara-Serie" (1974).

 

In einem Bereich der Ausstellung werden einige Film-/Videoinstallationen bzw. Filme vorgeführt. So werden erstmals "Phone", "BB", "Polizei" und "Bundeshymne" (alle 1969) von Gottfried Bechtold, Filme, die auf Positivmaterial gedreht und als "Skulpturen" konzipiert sind, sowie "Splitscreen-Solipsismus" (1968) von EXPORT permanent als Installation gezeigt. Von Matta-Clark ist eine Auswahl seiner Filme über die Serie der wichtigsten Gebäudeschnitte zu sehen. Daran anschließend einige Werke, in denen sich eine jüngere Generation von KünstlerInnen mit der Thematik Institution/Medien auseinandersetzt. So sind Installationen von Heimo Zobernig, "Into Art" (1998) von Dorit Margreiter und "Fondazione" (1998) von Mathias Poledna zu sehen, die allesamt für Ausstellungen in der Generali Foundation entstanden sind. Als Bindeglied der gesamten Ausstellung fungiert eine mehrteilige Textinstallation von Andrea Fraser, die im Zuge ihres Projektes über die Generali Foundation entwickelt worden ist und ausschließlich in Zusammenhang mit der Sammlung gezeigt werden kann.

 

Die Generali Foundation hat in den letzten zehn Jahren eine beachtliche Sammlung aufgebaut, die immer wieder über Leihgaben für Ausstellungen auf der ganzen Welt zugänglich gemacht wird. In der aktuellen Präsentation kann naturgemäß nur eine kleine Auswahl der bestehenden Sammlungsblöcke gezeigt werden, die sich von den Sammlungsausstellungen der letzten Jahre ("White Cube/Black Box", "Postproduktion") unterscheidet.

 

Der Aufbau einer internationalen Sammlung mit Schwerpunkt zeitgenössische Skulptur sowie deren wissenschaftliche Bearbeitung und Dokumentation bilden den Kernbereich der Generali Foundation. Die Sammlung geht zurück bis in die Mitte der 1960er Jahre. Diesen historischen Positionen werden aktuelle der 1990er Jahre gegenübergestellt. Die Sammlung erhebt keineswegs Anspruch auf einen vollständigen Überblick. Vielmehr werden Schwerpunkte spezifischer künstlerischer Positionen und Thematiken gesetzt. Der Begriff Skulptur wird nicht im Sinne von Objektkunst oder Bildhauerei definiert, sondern weit und medien-unabhängig gefasst. Fotografie, Film, Video und Installation nehmen in der Sammlung einen besonderen Stellenwert ein. Die Bearbeitung und gegebenenfalls Restaurierung von wichtigen historischen Beständen zählt zu den wohl bekanntesten Leistungen der Generali Foundation. Werke von KünstlerInnen, die - obwohl sie ganz wesentliche Beiträge geschaffen haben - in Institutionen meist nicht entsprechend repräsentiert werden, darunter vor allem von Künstlerinnen, werden verstärkt berücksichtigt.

 

Als besondere Gelegenheit kann für die Dauer der Ausstellung die Edition postproduktion mit Werken von VALIE EXPORT, Andrea Fraser, Isa Genzken, Bruno Gironcoli, Dan Graham, Elke Krystufek, Bertrand Lavier, Dorit Margreiter, Franz West und Heimo Zobernig mit einer 10% Ermäßigung erworben werden.

 

Kuratorin: Sabine Breiwieser
Kuratorische Assistenz, Ausstellungsproduktion: Nadja Wiesener